Schlagwort: Kastration

Katerchen wird kastriert

Sie waren so niedlich anzuschauen: Rossolinchens Rosinchen. Jeder Mann hätte ihn um solche hübschen und gut gewachsenen Prachtexemplare beneidet. Eingehüllt in beiges, weiches Fell …

rosinchen

Doch gestern war es so weit: Operation. Ohne Rosinchen geht es meinem roten Racker besser und den Katzen auch. Es wird ja sogar überlegt, zu verbieten, nicht kastrierte Katzen rauszulassen – die Katzenpopulation nimmt ständig zu, und viel zu viele Kätzchen verbringen ihr Leben deshalb in Gefangenschaft: in Tierheimen. Allein der Gedanke daran macht mich traurig.

Ein “funktionierender” Kater aber möchte seiner Aufgabe nachkommen, und die lautet: Katzen bespringen und Nachkommen zeugen. In letzter Zeit hatte ich sogar den Eindruck, dass der Hormondruck Rosso dazu veranlasste, Lieschen zu dominieren. Er schnüffelte erst ausgiebig an ihrem Po herum, dann sprang er mit allen Vieren auf sie drauf und biss sie in den Nacken. Typisches Begattungsgehabe. Und das permanent! Kaum tippelte in die Wohnung, ging es auch schon los. Sie nahm reißaus, und der halbstarke, in vollem Saft stehende Jungspund raste hinter ihr her. Die Jagd bereitete ihm sichtlich Vernügen. Im Schweinsgalopp durchs Wohnzimmer, unterm Sofa durch, hinterm Sideboard und zwischen den Stühlen unterm Esstisch entlang, mit Schmackes die Treppe zur Galerie rauf, mit Schmackes die Treppe von der Galerie runter, Verfolgung durchs Flur, Verfolgung durch mein Arbeitszimmer, und dann das Ganze wieder von vorn. Nicht nur Lieschen war genervt …

Um seinen Attacken zu entgehen, zieht sie sich stundenlang in die hinterste Ecke unterm Bett zurück. Dort ist sie gut geschützt vor seinen Angriffen – nur von einer Seite angreifbar, und auf sie drauf springen kann er auch nicht, die Nische ist zu niedrig dafür. Ich möchte aber nicht, dass Lieschen dauernd auf der Flucht vor dem hartnäckigen “Verehrer” ist.

Also hatte ich gestern einen Termin bei der Tierärztin. Um neun Uhr war es soweit: Rosso bekam die Narkosespritze. Fünf Stunden später holte ich ihn ab. Völlig ramdösig lag er in seinem Korb und schaute mich schläfrig an. Bis er Lebenszeichen zeigte, dauerte es eine Stunde, und bis er sich wirklich regte, eine weitere Stunde. Als ich ihn mal kurz rausholte, torkelte er durchs Zimmer, also besser wieder ins Körbchen – nicht, dass er die Treppe zur Galerie rauf tappt und dann runter fällt …

Warm solle er liegen, meinte die Tierärztin, das sei wichtig! Also füllte ich eine Gummiwärmflasche mit heißem Wasser und legte sie zwischen ein gefaltetes Handtuch in seinem Korb. Oben drauf bettete ich mein Rossolinchen ohne Rosinchen und deckte ihn mit einem Badetuch gut zu. Nur das Köpfchen schaute raus.

In dem Korb lag er bis abends, streckte zwischen durch die Pfötchen durchs Gitter, zog sich dann aber wieder unters Handtuch zurück und schlief den Schlaf des Gerechten.

Korb

So gegen sieben legte ich ihn auf meinen Schoß, wo er eine weitere Stunde verbrachte und allmählich seine Balance wieder erlangte. Zwischendurch hat er dreimal gekotzt (was die Tierärztin angekündigt hatte). So gegen acht tappte er in die Küche und leckte die Reste aus Lieschens Napf. Um neun Uhr servierte ich ihm ein paar Bröckelchen gekochtes Hühnchen – die er mit Appetit verputzte und auch drinnen behielt. Auf die Anrichte sprang er dann auch, ich setzte ihn aber vorsichtshalber wieder auf den Fußboden und dann aufs Sofa, wo er wieder in Schlaf verfiel und bis ungefähr Mitternacht auf meinem Schoß lag. Gut zugedeckt mit einer Wolldecke.

Die vergangene Nacht hat er komplett in meinem Bett verschlafen, und heute morgen war er wieder fit und munter. Jagte Lieschen hinterher und machte seinen ersten Besuch auf dem Dach – zum ersten Mal ohne Rosinchen.