Rosso, Rossolino genannt, ist ein kleines agiles und gut gelauntes Kerlchen. Er ist der Nachfolger von Lili, die nach einem Jahr schwerer Krankheit Anfang Juni 2015 in den Katzenhimmel geschwebt ist.

Am Tag danach lief ich wie betäubt durch die Gegend, ich fühlte mich elend und vermisste meine Lili unendlich. Nie wieder würde sie mich lautstark auf dem Hof empfangen, wenn ich mit dem Auto nach Hause kam. Nie wieder würde sie mit mir durch den Garten toben, nie wieder würde sie am Abend beim Fernsehen auf meinem Schoß liegen.

Am Samstag Abend beschloss ich, einem anderen Kätzchen ein Zuhause zu geben und schaute im Internet nach der Adresse einer Katzenauffangstelle in Weilheim, denn dort hatte ich vor vielen Jahren Felix gefunden.

Ich liebäugelte mit einer rot getigerten Katze, die sei aber sehr scheu, bekam ich am Telefon zu hören. Es seien aber noch andere Katzen da, ich solle doch einfach vorbeikommen. Und das machte ich dann auch. Am frühen Sonntagnachmittag fuhr ich nach Wessobrunn, das liegt 40 Kilometer vom Ammersee entfernt. Die Sonne schien und ich war etwas nervös, denn ich wusste ja nicht, was mich erwartet.

Kurz nach zwei Uhr war ich an meinem Ziel angelangt, dort wuselten etliche Katzen durch den eingezäunten Garten und in einem kleinen Gehege hockten drei rot getigerte Kätzchen, so um die acht Wochen alt. Zwei davon waren bereits vergeben und würden nächste Woche abgeholt. Doch die dritte war noch „frei“. Ich hob das hübsche Katerchen aus dem Gehege, setzte mich mit ihm auf einen Liegestuhl und legte den kleinen Kerl auf meine Brust. Dort blieb er auch anstandslos liegen und schnurrte. Er mochte mich, und ich mochte ihn. Die Sache war besiegelt.

Seit sechs Tagen tippelt Rosso, liebevoll Rossolino genannt, nun durch meine Wohnung und bringt viel Freude in mein Leben. Ich kann jedem, der sich von einem Kätzchen verabschieden musste, nur empfehlen, sich ein neuen Hausbewohner zuzulegen. Er wird nie Ersatz sein, und das soll er auch nicht sein. Aber er lindert den Schmerz einerseits, und andererseits hat er ein Zuhause gefunden, und das ist wichtig, denn es gibt so viele Kätzchen, die in Tierheimen und Auffangstellen darauf warten, dass jemand sie in ihr Herz schließt. Und der kleine Rosso hat mein Herz längst im Sturm erobert.

5 Gedanken zu „Rosso

  • 14. Juni 2015 um 14:00
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    ich habe es ja schon geschrieben, Lili ist nicht vergessen und wird auch immer in Deinen Gedanken, in Deinem Herzen und in Deinem Leben einen wunderschönen Platz haben. Das Du dem Kleinen ein neues und schönes Zuhause gibst ist auch ein Zeichen dafür, das man damit kein Tier ersetzt, sondern einem anderen den freigewordenen Platz gibt und es vor einem ungewissen Schicksal bewahrt.
    Du hast es genau richtig gemacht.
    Liebe Grüße von Christiane, die sich auf und über neue Geschichten mit Rossolino freut.

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  • 18. Juni 2015 um 07:26
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    Willkommen lieber Rosso. Du hast es gut getroffen in deinem neuen Heim. Es wird dir gefallen und deine Wünsche werden dir von den Augen abgelesen werden … da bin ich mir sicher.

    Ich kann die Entscheidung so früh nach einem neuen kätzischen Mitbewohner sehr gut nachvollziehen. Ich bin auch ein Mensch, der sich im Schmerz gerne ablenken lässt und wer kann das besser, als so ein kleiner junger Mann, der wahrscheinlich viel Unsinn im Hirn haben wird und wenn ich sowieso wieder jemandem ein neues Heim geben möchte … warum also warten. Die Zeit halt zwar Wunden, aber es braucht massig Zeit, wenn man so lange warten würde, würde zumindest bei mir ewige Zeiten niemand mehr einziehen.

    Mir graut es so davor, wenn unsere Alten sterben werden. Hier wird nämlich niemand nachrücken, denn auf Dauer wollen wir einfach nur noch 2 Katzis ein Heim geben und das werden wohl hoffentlich für noch sehr lange Zeit Rosie und Humbi sein.

    LG Frauke

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  • 24. Februar 2018 um 06:16
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    Dass es so schnell bei Dir ging, habe ich erst eben mitbekommen. Aber das war sicherlich das Beste, was Du tun konntest. Und vor allem – es ging ja wirklich gut aus :-)

    Und ich stelle auch immer wieder fest, dass Viele, die sich entschieden haben danach keiner Katze mehr ein Heim zu geben, sehr sehr lange darunter leiden …

    Bei mir waren es ja auch gerade mal 2 1/2 Wochen bis ich mir eingestehen musste, dass Allegra als Einzelkatze die entstandene Mauselücke nicht ausreichend auffüllen konnte. Ich wollte dann doch nicht auf ihren Tod warten, bis wieder neues Leben bei uns einziehen durfte … Und auch wenn Allegra nach über 6 Monaten mit der Situation noch immer nicht so gut klarkommt, so war es doch eine gute Entscheidung für uns alle. Gestern machte unsere alte graue Dame trotz des kalten Wetters einen kleinen Spaziergang in Haus & Garten und musste mal überall die Stellen der 3 Mädchen übermarkieren :-)

    Finja wird inzwischen übrigens zum Nagetier – kaum ein Karton ist vor ihr sicher. Aber Deinem Papp-Künstler kann sie nicht das Wasser reichen!
    LG Silke

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    • 24. Februar 2018 um 12:13
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      Just in diesem Moment springt Rosso auf meinen Schreibtisch. Er ist ja längst ausgewachsen und ein gestandener Kater. Frech wie Oskar – aber nur solange, wie kein Fremder sich blicken lässt. Dann rast er nämlich wie eine Rakete nach oben und versteckt sich unterm Bett. Und dort bleibt er, bis der ungebetene Gast wieder verschwindet.

      Ja, in der Tat – Rosso ist ein Papp-Künstler. Kein Karton ist vor ihm sicher. Ich liebe dieses Geräusch, wenn er die Wände bearbeitet …

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      • 25. Februar 2018 um 07:07
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        Stimmt, dank unseres Nagetiers kann ich mir gut vorstellen. Und jetzt, da Du darüber schreibst, finde ich das Geräusch auch herrlich – vor allem an freischwingenden Pappdeckeln ;-)
        Ich wünsche Euch einen gemütlichen Wintertag!
        LG Silke

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