Mitternächtlicher Besuch beim Tierarzt – Bandwurmbefall?

Es nimmt einfach kein Ende! Gestern hatte Moritz zwar Appetit, war aber den ganzen Tag lang apathisch, lethargisch und zitterte mit den Pfoten und wackelte mit dem Kopf.

Ich bin dann früh Schlafen gegangen und Moritz letzte sich zu mir aufs Bett. Dort wollte er seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen: meine Armbeuge ablecken – mit Milchtritt. Er leckte ein einziges Mal und stierte danach minutenlang teilnahmslos vor sich hin. Dann stand er auf, miaute gequält, schob sein Zünglein zwischen die Lippen und ließ es dort stecken (macht er sonst nie!). Dann legte sich dann der Länge nach ans Bettende (vollkommen unübliche Stellung für ihn!), den Kopf halb übers Bett gehängt, ansonsten regungslos. Als ich leise seinen Namen rief, reagierte er überhaupt nicht. Auch als ich ihn streichelte, gab er keine Regung von sich. Ich hatte Angst um ihn! Ich dachte, er stirbt mir jetzt unter der Hand weg. Als ich ihn hoch hob, hing er wie ein nasser Sack in meinem Arm – kleinerlei körperliche Anspannung wie sonst üblich beim Hochheben.

Epileptischer Anfall
Seit über 30 Jahren habe ich Katzen und glaube von mir sagen zu können, dass ich im Umgang mit ihnen zwar sehr aufmerksam aber keines falls hysterisch bin. Ich habe in all den Jahren auch erst ein einziges Mal in der Nacht einen Tierarzt angerufen, das war als Lili kurz nach Mitternacht umfiel, alle Viere von sich streckte, völlig verkrampft da lag, reglos, und ich dachte, ihr letztes Stündlein habe geschlagen. Als ich den Arzt in der Tierklinik an der Strippe hatte und mit ihm vereinbarte, dass ich Lili jetzt sofort in den Korb stecke und mit ihr in die Tierklinik komme, erhob sie sich plötzlich und tippelte munter in die Küche, wo sie sich vor den Futternapf setzte.

Wie sich dann rausstellte, handelte es sich um einen epileptischen Anfall, den sie wenige Wochen schon mal gehabt hatte: unten im Flur hatte sie auch völlig reglos mit ausgestreckten Beinen gelegen, als eine Nachbarin sie fand und mich sofort anrief. Als ich unten ankam, war Lili bereits wieder munter. Epileptische Anfälle dauern meist nur wenige Minuten …

Ich bin seinerzeit natürlich nicht mitten in der Nacht in die Tierklinik gefahren, sondern habe am nächsten Morgen mit dem Tierrzt nochmal telefoniert, und der bestätigte meine Vermutung: es handelte sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen epileptischen Anfall.

Das zweite Mal, dass ich zu später Abendstunde einen Tierarzt angerufen habe, war vor wenigen Wochen – als Moritz dieses Heuschreckenbein im Rachen hatte.

Späte Visite
Gestern um genau Mitternacht nun das dritte Mal. Mein wimmernder Kater mit seinem starren Blick machte mir derart Angst, dass ich dachte, er würde jeden Moment das Atmen aufhören. Also wagte ich (weinend), Michael Rattenhuber aus dem Bett zu klingeln, und der meinte auch sofort, ich solle Moritz vorbeibringen.

Ich habe noch meine Nachbarin rausgeklingelt (selbst Katzenbesitzerin) und die hat mich zum Tierarzt gefahren. Obwohl nicht im Korb, sondern auf meinem Schoß, hat Moritz wieder ein lautes und verzweifeltes Konzert gegeben.

Bei Herrn Rattenhuber angekommen, wurde Moritz erneut gründlich untersucht. Schmerzen an der linken Bauchseite. Er bekam dann ein Kontrastmittel gespritzt und wurde nochmals geröntgt – mit Ziel auf den Magen, weil Herr Rattenhuber, meinte, dort könne sich doch noch ein Fremdkörper aufhalten. Die Untersuchung hat aber keine neuen Erkentnisse gebracht.

Bandwurmbefall?
Gestern Nachmittag hatte ich ja mit meiner THP telefoniert und die hatte auf Bandwurm getippt. Solche Parasiten können Appetitlosigkeit und auch Schmerzen im Bauch verursachen. Dass er Parasiten haben könnte, hatte ja auch die Blutuntersuchung gezeigt, aber meine Aussage, Moritz sei vor ungefähr 2 Monaten entwurmt worden, hat offensichtlich niemand dazu veranlasst, eine neue Wurmkur zu machen. Was mich HEUTE nun wundert, denn normal liegen die Eosinophilen Granulozyten zwischen 0 – 600. Bei Moritz lagen sie bei 2.594! Und der erste Wert liegt zwischen 0 – 6, bei Moritz bei 24! Dass da niemand auf die Idee gekommen ist, ein Wurmmittel zu spritzen, verstehe ich nicht!!! Die von mir durchgeführte Wurmbehandlung lag schließlich zwei Monate zurück! Und da Moritz sehr viele Mäuse frisst, kann er sich jederzeit wieder Würmer einfangen. Außerdem ist bei Moritz die Nickhaut deutlich sichtbar, was auch auf Wurmbefall hindeutet.

moritz-Galerie

Auf alle Fälle hat Herr Rattenhuber gestern Nach um ein Uhr nach ausgiebiger Untersuchung keine andere Erklärung gefunden als Würmer. Und denen ging es mit einer Spritze an den Kragen.

Nun hoffe, ich, dass der kleine Kerl sich langsam erholt, denn von einem Tag auf den anderen wird sich keine Besserung einstellen – nach so einem massiven Parasitenbefall. Die Milben haben möglicherweise das Ihrige auch noch dazu getan, der ganze Bauch war ja übersäht mit Spuren von den “Bohrungen” dieser lästigen Parasiten.

Bauch
Am Bauch unten sieht man noch deutlich die verheilten Entzündungen, hervorgerufen durch die Herbstgrasmilben.

Das waren die neuesten Nachrichten aus dem Sanatorium Blaes am Ammersee!

Wenigstens geht es Lili gut. Sie futtert mit Appetit und wenn ich morgens aufstehe, rennt sie als erstes zu ihrem Futterplatz … momentan liegt sie auf dem Schreibtisch. Und wenn ich mich gleich aufs Sofa pflanze, wird sie sich auf meinen Schoß legen – mein geliebter Liebling! Und der andere Liebling schläft oben unterm Bett …

Lili

11 Kommentare

  1. Hallo Renate,

    da fehlen mir die Worte bei den Sachen, die bei Dir abgehen. Wahnsinn. Aber sonst machen Parasiten bzw. Würmer doch oft so einen Nickhautvorfall, dachte ich? Das kenne ich jedenfalls so, aber vielleicht ist das auch nicht immer der Fall. Herrje, jetzt hoffe ich echt, dass es die Würmer waren, die Moritz so krank gemacht haben. Und dass er sich wieder erholt, und zwar schnell. Wenn er so viele Mäuse frisst, braucht er vermutlich öfter eine Wurmkur als nur einmal im Quartal oder so. Unsere TÄ hat uns das vor Jahren auch empfohlen, als Minnie noch viel mehr Mäuse gefangen hat. Es gibt übrigens auch ein pflanzliches Mittel, das verhindern soll, dass sich die Würmer so festsetzen. Das habe ich Minnie auch eine Zeitlang gegeben, ich weiß nur nicht mehr, wie es heißt. Kann ich aber suchen und Dir das noch mal schreiben.

    Alles Gute und liebe Grüße!
    Doris

    • Ach, wer lesen kann ist im Vorteil – Du hast ja geschrieben, dass er einen Nickhautvorfall hat … Ja, dann dürfte sich die Diagnose wohl erhärtet haben. Armer Moritz, der macht was mit. Ab sofort nur noch fertig pürierte Mäuse! 😉

      • Das Pürieren dürfte den Wurmeiern wohl nur bedingt den Garaus machen … 😉
        Aber Moritz fängt wirklich viele Mäuse. Das heißt, er bringt viele heim, aber er frisst sie auch draußen, wie mir meine Nachbarin neulich sagte …
        Vermutlich ist es wirklich besser, ihn öfter als einmal im Quartal zu entwurmen.

  2. Hallo, liebe Renate,

    du hast aber auch in deinem Sanatorium die schwierigsten Fälle zu lösen!!!
    Der Zustand von dem armen Moritz ist ja dramatisch.
    Ich hoffe ganz doll, dass der Doktor jetzt die Ursache seiner Erkrankung
    erkannt hat und die Behandlung recht bald helfen wird, toi , toi, toi!!!
    Ein Glück, dass es Lili gut geht, so dass du da ein wenig aufatmen kannst.
    Ein niedlicher Schnappschuss von Lili auf dem Schreibtisch!

    Liebe Grüße von
    Elke

  3. Auf unser Schwester Renate ist Verlass 😀 Zum Glück hatte deine THP die wohl richtige Idee. Oft muss der Patient eben sagen, was er hat – das ist bei den Tieren wohl nicht anders als bei den Menschen *schnief*
    Wir drücken die Pfötchen und Daumen, dass die Spritze wirkt und es dem Schwarzbär bald wieder besser geht.
    Schnurrer Engel und Teufel

    • Ob es tatsächlich die Bandwürmer waren, steht wieder in den Sternen. Die Tierärzte sagen, mit Milbemax würden auch Bandwürmer abgetötet. Ach, ich weiß mittlerweile gar nicht mehr, was ich machen soll. Moritz wirkt immer noch “reduziert”, also krank … und ob ihm der Bauch noch weh tut, weiß ich auch nicht, ich möchte auch nicht fest in deinem Bäuchlein rumdrücken.

  4. Tanja Pitsch

    Liebe Renate, ich hoffe, dass es dem armen Katerli schon besser geht und die Nebenwirkungen abgeklungen sind. Angesichts deines Berichts habe ich mich direkt auf die Suche nach der letzten im Haus befindlichen Wurmkur gemacht… LG, Tanja

    • So richtig fit ist er immer noch nicht, er liegt ständig in der hintersten Ecke unterm Bett. Ich werde morgen einen erfahrenen Tierarzt aufsuchen … diese jungen Ärzte haben möglicherweise nicht die Erfahrung und den “Blick” …

      Bitte alle drei Monate bei deinen Katzen eine Wurmkur machen!!!

      • Hallo Renate,

        warst Du schon beim TA? Dass Moritz immer noch so lala drauf ist, gefällt mir jetzt aber gar nicht. 🙁 Hoffentlich hat sich heute was Positives getan.

        Und man kann es nicht oft genug sagen – alle drei Monate Wurmkur ist unter Umständen nicht genug, wenn die Katze viele Mäuse erbeutet. Wenn man das weiß, sollte man die Zeitabstände kürzer halten, sagt unsere TÄ. Klingt für mich plausibel.

        Viele Grüße,
        Doris

        Liebe

        • Liebe Doris, der heutige Besuch in der anderen Tierklinik (meiner alten) war gut. Werde morgen ausführlich darüber berichten. Endlich mal einer, der mir zugehört hat. Denn genau das, was die anderen Ärzte nicht interessiert hat, oder womit sie nichts anfangen konnten, hat Dr. Meier (sehr erfahrener Tierarzt!) heute ganz besonders intensiv interessiert.

          Was die Würmer betrifft … jede frisch gefangene Maus kann Würmer übertragen. Ich werde Moritz nun auch öfter entwurmen, weil er sehr viele Mäuse fängt.

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