Jetzt ist auch der Kater krank

Tierarzt, Tierklinik, Tierarzt … Appetitlosigkeit, Medikamente, Ultraschall, Blut abnehmen, Spritzen, Bauch rasieren, Blase punktieren … ich bin mit meinen Nerven bald am Ende, denn jetzt ist auch Kater Moritz krank.

Nachdem Lili am Montag wieder nicht gefressen hat und apathisch auf dem Terrassentisch lag, dachte ich: nun ist es soweit. Aber am nächsten Tag hat sie bereits wieder mit sehr großem Appetit gefuttert und das macht sie bis heute. Sie klaut sogar Essenreste auf der Anrichte in der Küche und rennt viel draußen rum. Die Lymphknoten am Hals sind mal minimal kleiner und dann wieder größer, aber ihr Verhalten ist “normal”, und ich freue mich jeden Tag, dass sie lebt. Und sie freut sich auch, ist ständig in meiner Nähe, und abends schmusen wir inniglich.

Appetitlos
Aber seit ungefähr zwei Wochen beobachte ich Moritz, der immer weniger Appetit an den Tag legt. Bis er vor drei Tagen so gut wie gar nichts mehr gefressen hat, auch sein Lieblingsfutter, Hühnchen und Thunfisch aus der Dose hat ihn nicht interessiert. Das verheißt nichts Gutes! Außerdem erschien er mir in den ganzen letzten Wochen in seinem Verhalten “reduziert”. Irgendwie ein Gang langsamer als sonst. Ruhiger, zurückhaltender … so, als beobachte er sein Innenleben. Irgendwas stimmte da nicht. Also ich Termin beim Tierarzt (Michael Rattenhuber in Dießen) gemacht, der mit seiner Zeit erfreulicherweise flexibel und sehr kunden- bzw. patientenfreundlich ist. Was ich sehr gut finde, weil ich es hasse, mit einer kranken Katze viele Stunden warten zu müssen.

kater-in-korb
Das Foto stammt nicht von gestern, dazu hatte ich keine Nerven …

Michael Rattenhuber untersuchte Moritz gründlich. Aber er fand nichts. Auch die zwei Röntgenaufnahmen, die gemacht wurden, waren nicht erhellend. Nur am Enddarm war etwas zu sehen – Kot vermutlich, aber es deutete nichts auf Verstopfung hin. Fieber hatte Moritz auch keines. Übergeben hatte er sich auch nicht. Aufallend viel getrunken hat er auch nicht, im Gegenteil. Aber irgendwas war/ist da! Ich streichelte über seinen Rücken, er zuckte zusammen. Daraufhin untersuchte der Tierarzt nochmal seinen Bauch und drückte überall rum. Da – plötzlich: Moritz zeigte Reaktion mit unwilligem Miauen – also hatte er Schmerzen im Bauchraum.

Magenschleimhautentzündung?
Der Arzt tippte auf Gastritis. Versorgte Moritz entsprechend mit einigen Spritzen und gab mir auch welche mit: 3 verschiedene. Die sollte ich morgens und abends spritzen. Gott sei Dank kann ich das, geht auch ganz problemlos, wenn man weiß, wie’s geht. Moritz war also seit Mittwoch früh wieder daheim und ich konnte ihn beobachten. Das Katzenklo interessierte ihn nicht! Von Mittwoch früh bis Donnerstag Mittag hatte er weder gekackt noch gepinkelt. Das ist gar nicht gut!!! Ich rief den Tierarzt an und fragte, ob es in Ordnung sei, wenn ich dem Kerlchen ein halbes Mikroklist verabreiche. Ja, das könne ich machen. Aber nur einmal! Also verpasste ich Moritz das kleine Klistier, legte ihn auf meinen Bauch und wartete.

Steinharter Kot
Normalerweise dauert es ungefähr 10 bis 20 Minuten und der Gang zum Klo ist fällig, weil der Darm ruft. Aber der Darm gab keinen Ton von sich! Nach mehr als einer halben Stunde trug ich Moritz versuchsweise zum Katzenklo. Dort scharrte zwar rum, aber es passierte nichts, er hockte einfach nur da. Dann miaute er und scharrte erneut. Aber wieder nichts. Dann scharrte er ein drittes Mal und hockte sich hin und DRÜCKTE! Heraus kam ein ungefähr zehn Zentimeter langes Würstchen, zur Hälfte bockelhart. Aha, der Beginn einer Verstopfung. Gut, dass der Kot draußen war! Nun hoffte ich darauf, dass er Appetit zeigt. Vergeblich gehofft. Nach über einer Stunde Warten auf Appetit rief ich den Tierarzt an und sagte ihm, dass ich jetzt in die Tierklinik fahren wolle. Er fand das auch eine gute Idee und mailte die Röntgenbilder an die Tierklinik. Die Blutergebnisse müssten auch jeden Moment kommen, die wollte er dann auch sofort mailen.

Termin in der Tierklinik
Moritz in den Korb gepackt und unter lautem Katzen-Konzert nach Germering gefahren – zur Tierklinik, die erfreulicherweise auch einen schnellen Untersuchungstermin frei hatte, nämlich um 15.00 Uhr.
Die Internistin dort untersuchte ihn gründlich, stellte auch nichts besonderes fest, begutachtete die Röntgenaufnahmen, und die mittlerweile auch eingetroffenen Blutergebnisse zeigten außer einem Wert nichts besonderes. Aber dieser eine Wert deutete auf eine Entzündung hin. Könnte auch durch Parasiten verursacht sein: vielleicht der starke Milbenbefall vor zwei Wochen?

Nackt rasiertes Bäuchlein
Also Ultraschall. Mit Lili wäre so eine Untersuchung ohne Narkose völlig unmöglich, Moritz lag brav auf dem Untersuchungstisch und gab keinen Mucks von sich, als sein Bäuchlein großflächig kahl rasiert wurde. Dabei konnte man übrigens gut die kleinen Verletzungen sehen, die diese Scheiß-Milben verursacht haben … durch ihr Haut-Anbohren und Saugen. Hier übrigens nochmal ein anschaulicher Bericht über diese widerlichen Viecher.

Blasenpunktion
Dann die Untersuchung. Nichts besonders Auffälliges, nur die Nieren zeigten Entzündungszeichen. Und eine Gastritis kann man nicht unbedingt sehen (wenn ich das richtig verstanden habe – dazu muss eine Magenspiegelung mit Gewebeentnahme gemacht werden). Dann wollte die Ärztin noch Urin untersuchen, dazu musste die Blase punktiert werden – was aber keine schmerzhafte Angelegenheit war. Moritz hat nicht mal gezuckt. Blut wurde auch nochmal abgenommen, auch das ließ er anstandlos über sich ergehen, der brave kleine Kater!

Bakterien in der Niere
Nach einer dreiviertel Stunde Wartens das Ergebnis. Im Urin sind Bakterien, die da nicht hingehören, und die mit Nierenproblemen zusammenhängen können. Die Ärztin schlug daraufhin vor, Moritz an einen 24-Stunden-Tropf zu hängen, um die Nieren gut durchzuspülen. Damit war ich einverstanden. Vermutlich hatte er in den vergangenen Tagen aufgrund seiner Appetitlosigkeit viel zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen. Und weil ich ja die Flöhe husten höre, hatte ich ihm am Vormittag rein vorsorglich schon 6 ml Wasser mit einer Kanüle ins Mäulchen gespritzt, was er auch brav geschluckt hat. Schwester Renate hat nun mal feine Sensoren – oder sie denkt einfach nur nach, was viele Katzenbesitzer leider nicht machen!

Nacht in der Tierklinik
Also hab ich das kleine Kerlchen in der Klinik gelassen und bin schweren Herzens nach Hause gefahren. Die Untersuchung hat keine wirklichen Ergebnisse gezeigt – aber einige Vermutungen. Darunter eben auch die von Nierenproblemen! Und wenn ich was nicht leiden kann, dann sind es Vermutungen!

Gestern Mittag hat mich die Ärztin angerufen, um mit mir einen Abholtermin zu vereinbaren. Moritz habe gekackt, aber nichts gefressen. Weil er nur mit großen Augen in der Ecke seiner Box hockte, meinte die Ärztin, es könne einfach daran liegen, dass er Angst hat. Also hab ich ihn zwei Stunden später abgeholt und bin – begleitet von unterträglichem Geschrei – mit ihm nach Hause gefahren.

Moritz frisst!
Meine Hoffnung, dass er Appetit zeigt, war offengestanden nicht groß, umso mehr habe ich mich gefreut, dass er sich sofort über das angebotene Futter hergemacht hat. Erst Lilis Trockenfutter-Körnchen, in diesem Fall sehr gut, weil sie Spezialfutter für empfindlichen Magen-Darm gekommt. Dann habe ich ihm noch Yarrah-Feuchtfutter angeboten, auch das hat er verspeist. Und das frisch gekochte Putenfleisch hat er mit Begeisterung verdrückt.

Dann hat er sich in eine Ecke verzogen und ich habe ihn erstmal in Ruhe gelassen.

Nebenwirkungen!
Doch zwei Stunden später habe ich mich nach all den anstrengenden Stunden aufs Bett gelegt und er kam dazu. Und er war völlig unruhig. Drehte dauernd den Kopf von links nach rechts und umgekehrt, zuckte mit dem Kopf, zuckte mit den Pfötchen, legte sich hier hin und wenige Sekunden später dort hin, seine Pupillen waren deutlich vergrößert, mit dem Kater stimmte was nicht! Ich rief in der Klinik an und fragte, ob das an irgendeinem Medikament liegen könne. (Ich hatte sowas mal vor Jahren, da dachte ich, Lili würde sterben, weil sie nach einem Arztbesuch mit Medikamentengabe so merkwürdig in der Wohnung rumtorkelte, ich dachte schon, sie stirbt … es lag aber am Medikament!). Die Ärztin in der Tierklinik teilte mir nun mit, dass Moritz ein morphiumhaltiges Schmerzmittel bekommen habe. Aha! Und warum hat mir das nicht gesagt beim Abholen, und vor allem: warum hat sie mich nicht auf die möglichen (üblen) Nebenwirkungen dieses Medikament aufmerksam gemacht?!


Sehr häufige Nebenwirkungen:
Müdigkeit, Schlaf.

Häufige Nebenwirkungen:
Hitzegefühl, Schweißausbrüche, Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen, Pupillenverengung, niedriger Blutdruck, Atemunterdrückung, Übelkeit und Erbrechen, Schwitzen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Allgemeine Überempfindlichkeitsreaktionen, Desorientierung, Nervosität, Depression, Psychose, Wahnvorstellungen, Persönlichkeitsstörung, Hochstimmung (Euphorie), Verstimmung, Unruhe, Erschöpfung, Mundtrockenheit, verwaschene Sprache, Koma, Zittern, Krämpfe, fehlende Muskelsteuerung, Doppeltsehen, Sehstörungen, Bindehautentzündung, Ohrensausen, Bluthochdruck, Herzrasen, Herzschlagverlangsamung, Hautblaufärbung, Herzreizleitungsblockierung (AV-Block), Atemnot, Atemstillstand, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Durchfall, nervliche Missempfindung, Juckreiz, Hautausschlag, Blässe, Nesselsucht, Blasenentleerungsstörungen.


Die rot markierten Symptome zeigte Moritz deutlich. Außerdem wirkte er verwirrt, und pinkelte das erste Mal, seit er bei mir lebt, auf ein Kissen. Das hat er noch nie gemacht!!! Ob er noch andere Nebenwirkungen hatte, weiß ich nicht, weil der Kerl ja leider nichts erzählt …Dass ich von der Ärztin nicht darauf  hingewiesen wurde, finde ich NICHT IN ORDNUNG!

Ich habe daraufhin nochmal meinen Haus-Tierarzt angerufen, und der meinte, Moritz’ merkwürdigen Verhalten sei vermutlich auf das Medikament zurückzuführen und ich solle abwarten bis heute. Nun, heute Vormittag ist Moritz wieder einigermaßen normal, aber immer noch sehr müde und verhalten. Aber wenigstens konnte ich ihm die problemlos die 4 Medikamente verabreichen und er hat sogar ein Stück Putenfleisch von der Anrichte stibietzt.

Gefressen hat er auch, vor allem Putenstückchen und Lilis Körnchen. Damit er genügend Flüssigkeit zu sich nimmt, habe ich ihm noch 6 ml Wasser ins Mäulchen geträufelt, was er wieder brav geschluckt hat.

Stubenarrest
Nun hat mein Schwarzbär erst mal wieder Stubenarrest, denn er muss regelmäßig Medikamente schlucken und ich muss natürlich auch sein Fressverhalten beobachten. Vor allem dann, wenn er keine Medikamente mehr bekommt (Appetitanreger, Tabletten gegen Übelkeit, Magensäurehemmer und Antibiotikum). Ich hoffe so sehr, dass die Therapie anschlägt und sein Magen bald wieder in Ordnung kommt und er auch ohne Medikamente Appetit hat.

In zwei Wochen muss dann nochmal das Blut untersucht werden – wegen der Nierenwerte. Die ja aktuell in Ordnung sind, aber an den Nieren trotzdem was sein kann. Warum das so ist, versteh ich nicht, aber es ist halt so … leider.

Ach, mein Gemüt ist mehr belastet zur Zeit als ich zugeben möchte. Aber ich merke, wie “erschöpft” ich bin …

P. S.: Eben habe ich mit meiner THP telefoniert, die zwar in Urlaub ist, aber ich darf sie in Notfällen “belästigen”. Sie behielt die Ruhe und war sehr erstaunt über das morphinhaltige Schmerzmittel, das sie völlig überflüssig findet bzw. zu überdosiert. Es gibt auch Schmerzmittel mit weniger Nebenwirkungen. Sie meint übrigens, dass Moritz auch einen Bandwurm haben könne, der mit dem üblichen Wurmmittel nicht vernichtet wird. Und Bandwürmer bereiten auch Bauchschmerzen, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit. Ich werde also nächste Woche eine Bandwurmspritze bei Herrn Rattenhuber abholen.

9 Kommentare

  1. Gott, du Arme. Bei deinen Mietzen ist aber echt der Wurm drin!
    Jetzt reicht es aber wirklich langsam.
    Wir drücken dir mal ganz feste die Daumen und Pfötchen,
    damit jetzt mal Schluss mit dem Mist ist.

    PS: Halten alle deine Fellnäschen so ein Konzert in Auto ab?
    Bei uns ja. Allerdings jeder etwas anders. Die Jungs aber am lautesten.

  2. Ach herrje, der arme Moritz. Da hatte ich mich so darüber gefreut, dass du seine ollen
    Milben erfolgreich bekämpfen konntest und jetzt die neue Hiobsbotschaft!!!
    Im Moment bist du mit deinen Sorgenkindern nicht zu beneiden!
    Ich finde es auch unmöglich, dass Moritz so ein starkes Mittel verabreicht wurde
    und du nicht davon in Kenntnis gesetzt wurdest. Man macht sich doch gleich
    Gedanken, wenn die Katze solche krassen Symptome zeigt!
    Nun kann man nur hoffen, dass es doch “nur” ein Bandwurm ist, der doch gut
    zu behandeln sein wird!!!
    Ich drücke dir und deinen Lieblingen beide Daumen, dass bald mal ein bisschen
    mehr Ruhe bei euch einkehrt.

    Liebe Grüße von
    Elke

    • Ja, ich war wirklich in Sorge bei diesen Symptomen. Je länger meine Erfahrung mit Ärzten dauert, desto skeptischer bin ich. Das Telefonat mit meiner THP war wieder sehr interessant. Sie meinte, ich sollte die ganzen Medikamente absetzen – bis auf das Antibiotikum. Und sie hatte gute Argumente dafür … Sie fand es übrigens – wie ich auch – sehr merkwürdig, dass einfach ins Blaue hinein medikamentiert wird, ohne klares Wissen über die tatsächliche Ursache.

  3. Hallo liebe Renate,
    wir sind total entsetzt – der Schwarzbär ist auch krank 🙁 Wir hätten auch Panik ob der Symphtome nach dem Aufenthalt in der Klinik – gut, dass du das schon kanntest und gleich dort angerufen hast. Warum haben die dir das nicht gesagt, dass sie ihm solche Medis gegeben haben und was damit verbunden sein kann!
    Wir drücken euch die Daumen, dass Moritz bald wieder gesund wird.
    Liebe Grüße
    Anja und Georg

  4. Liebe Renate,
    ich schaue hier gerade so ein und mich haut es fast vom Hocker – das ist ja langsam nicht mehr normal, was bei Euch abgeht. Das mit der Übermedikation ist ja mittlerweile Usus, egal ob bei Menschen oder Tieren. Ich finde das nur noch zum K … Ich hoffe sehr, dass es Moritz bald wieder besser geht. Von wegen Bandwurm – eine Kotuntersuchung hat mangels Kot vermutlich nicht stattgefunden bzw. in der Tierklinik haben sie das auch nicht gemacht? Möglich wäre es ja, dass er wirklich einen hat. Was mich wieder dran erinnert, dass ich die Wurmkur für Minnie besorgen muss.
    Wie auch immer, ich drücke alle Daumen und hoffe sehr, dass der arme Moritz schnell wieder fit wird und dass die liebe Lili nach dem kleinen Einbruch weiter so frech bleibt.

    Liebe Grüße,
    Doris

    • Bei den verdächtig hohen Blutwerten bei den Eosinophilen (über 4 x so viel wie der maximale Normalwert = deutliches Anzeichen für Parasiten) hätte der Kot auf Würmer untersucht werden können. Er hat Kot in der Klinik abgesetzt. Eine Untersuchung hat aber nicht stattgefunden – zumindest ist sie in der Rechnung nicht aufgeführt.

  5. Doris Luser

    Liebe Renate, da muss ich Deiner THP leider widersprechen: Bandwürmer deuten auf Riesen-Appetit hin! mhm. Habe ich erst letzte Woche mit meiner TA besprochen …
    lgd

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