Heute vor einer Woche …

… hat sich mein geliebter Liebling verabschiedet. 13 wunderschöne Jahre habe ich mit Lili verbracht. Sie war eigenwillig und verschmust. Sie war eifersüchtig und besitzergreifend. Sie hat mich im Hof begrüßt, wenn sie mein Auto kommen hörte. Wie eine Verrückte bretterte sie die Katzenleiter runter, hat sich in den Staub geworfen, hin und her gewälzt und mich lautstark empfangen. Für mich hörte es sich immer so an, als sagte sie: “Wo warst du denn so lange? Höchste Zeit, dass du endlich nach Hause kommst!” Dann stand sie auf, mit Staub und Schmutz in ihrem Fell, und strich um meine Beine. Ihre Freude über mein Erscheinen war nicht zu übersehen, und dann rannte sie in großen Sprüngen auf die Haustür zu und begleitete mich nach oben.

Lili

Lili hatte die schönsten Augen der Welt und je nach Lichteinfall leuchteten sie mal grasgrün, mal türkis.

baum

Lili hat mich adoptiert, nicht umgekehrt. Denn sie war die Katze der Nachbarin. Nachdem sie vier Junge auf die Welt gebracht hatte und die drei Monate alt waren, war Lili wohl der Ansicht, sie sollten sich gefälligst ein eigenes Zuhause suchen. Zwei der Jungen wurden vermittelt, die anderen beiden blieben, und das hat Lili überhaupt nicht gefallen. Sie ging nur noch zum Fressen nach Hause. In der restlichen Zeit strich sie in den Gärten herum und nachts schlief sie auf dem Stuhl in meinem Arbeitszimmer. Ich konnte sie vertreiben, so oft ich wollte. Am nächsten Morgen lag sie wieder auf dem Stuhl.

Als meine Nachbarin dann meinte, sie würde sich nach einem Platz für Lili umschauen, denn die käme ja so gut wie überhaupt nicht mehr nach Hause, sagte ich: “Du brauchst keinen Platz zu suchen, Lili hat das schon selbst erledigt.” Danach kamen wir überein, dass Lili bei mir lebt.

Von diesem Tag an fütterte ich sie, und die kleine pfiffige Katze wusste, dass ihr Plan aufgegangen war. Und ab diesem Zeitpunkt wich sie nicht mehr von meiner Seite. Wo ich war, war Lili. Natürlich machte sie auch kleine Ausflüge in den Hof und den Garten, aber sie war immer in Pfiffnähe. Kaum hörte sie den Ton, kam sie auch schon angerannt.

garten

Saß ich an meinem Schreibtisch, saß sie obendrauf.

schreibtisch

Oder sie schlief. Vorzugsweise auf meinem Arbeitsmaterial.

buch

Kaum setzte ich mich abends auf Sofa, kam Lili auch schon angetippelt und machte es sich auf meinem Schoß bequem. Dort lag sie – den ganzen Abend, und wehe, Lieschen oder Moritz machten ihr den Platz streitig oder wagten es, sich auch nur in ihre Nähe zu legen. Dann hagelte es Ohrfeigen!

Wie oft habe ich über diese Katze lachen müssen. Zum Beispiel dann, wenn sie in der unmöglichsten Position auf dem Terrassentisch lag

Tisch

oder sich ins kleinste Kartönchen quetschte.

Erdbeerschale

Lili, mein geliebter Liebling, ich vermisse dich unendlich!

10 Kommentare

  1. Christiane

    ein wunderschöne Erinnerung an Deine geliebte Lili. Sie sieht jetzt von oben zu und freut sich, das ein kleiner Kater jetzt bei Dir lebt und ein Zuhause gefunden hat. Sie war so einmalig und ist unvergessen.

  2. Liebe Renate,

    Lili muss wirklich eine ganz, ganz besondere Katzendame gewesen sein. Diesen Eindruck hinterlassen die Worte und die Fotos deines “Nachrufes” bei mir. Ich könnte mir vorstellen, dass mir ihrem Übergang in die nächste Welt ihre Geschichte noch nicht zu Ende ist. Ist sie das eigentlich auf dem Titel vom Kunterbunten Katzenbuch Nr. 2?

    Liebe Grüße,
    Petra

  3. Die einzigartige und wunderschöne Lili, mir fehlt sie auch. Sie zu sehen und von ihr zu lesen, hat mich immer sehr berührt und mich oft schmunzeln oder aus lauthals lachen lassen. Ich habe sie bewundert ob ihrer Grazie und ich habe über ihren Einfallsreichtum (ganz besonders, wenn es um Kartons ging) gestaunt. Und auch jetzt freue ich mich, Fotos von ihr zu sehen – und bin gleichzeitig so traurig.

    • Wenn ich die Fotos von meinem geliebten Liebling anschaue, laufen die Tränen … ich meine, sie anfassen zu können, ihr Schnurren zu hören und mein Gesicht in ihr Fell kuscheln zu können.

  4. Ich vermisse Lili auch. Eigentlich möchte ich immer schauen und was über sie lesen, aber sie ist nicht mehr hier. Zumindest körperlich gesehen. Der Abschied fällt auch mir schwer.

  5. Wir vermissen sie auch. Schön, dass du noch mal die Geschichte erzählt hast, wie sie zu dir kam 🙂 Ja es ist doch immer so – Katzen suchen sich ihre Dosies aus. Danke für die schöne Zeit mit dir, Lili!
    Schnurrer Engel und Teufel

  6. Liebe Renate,
    ich habe mich immer gefreut, wenn ich die süße Lili auf deinem Blog gesehen
    habe. Ihre schönen Augen und das bunte Fell, ihre ganze Art haben mich
    sehr berührt. Obwohl ich sie nie persönlich kennengelernt habe, war sie
    mir durch deine liebevolle Erzählweise und den oft sehr lustigen Bildern doch
    sehr vertraut. In der Zeit ihrer Krankheit habe ich mit Lili und dir gebangt
    und gehofft.
    Wenn ich jetzt ihre Fotos sehe, bin ich traurig, dass sie nicht mehr da ist.
    Aber ich bin froh, dass ich sie kennenlernen durfte!!!

    Liebe Grüße von
    Elke

  7. Ach ja, liebe Renate, da hatten wir beide das Glück viel Lebenszeit mit einer ganz besonderen Katzenpersönlichkeit zu teilen …
    Liebe Grüße schickt Dir Silke, die eben zwischen den 3 wundervollen kleinen Mädchen liegt und trotzdem die kleine Charakter-Maus vermisst.

    • Ja, ich vermisse Lili auch. Es ist immer wieder erstaunlich und schön zu erleben, wie Liebe sich teilen lässt. Mein Herz hängt an Rosso, den ich zwei Tage nach ihrem Abschied aus dem Tierheim geholt habe. Ich liebe ihn sehr, und Lili liebe ich auch. Wunderbar, wieviel Platz so ein Herz für die Liebe hat … unendlich viel Platz!

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