Geschichte hinterm Bild … im Sinn des Wortes

Halbzwei nachts. Die Katzenklappe klappert. “aaaaiiii, aiiaiaiii, aaai …”
Moritz. Mit Beute!

Kurz darauf ein Scheppern. Weil ich das Geräusch kenne, weiß ich auch, was es verursacht hat: ein unten im Wohnzimmer an der Wand stehendes Bild ist umgefallen. Und ich weiß auch warum: die Beute hat sich dahinter geflüchtet, und der potentielle Killer hat das Bild umgeworfen.

Stille.

Dann wieder ein Klappern. Ich erhebe mich von meiner Schlafstatt und tappe nach unten. Mache Licht an. Moritz steht aufgeregt vor den Bildern, die am Fenster auf dem Fußboden stehen, und schielt seitlich dahinter. Mal von der einen Seite, mal von der anderen.

Aha! Die Maus hat ein neues Refugium gesucht – und gefunden.

Ich ins Bad und mir ein Frottee-Tüchlein geschnappt. Der letzte Mäusebiss ist mir noch in guter Erinnerung …

Links neben die Bilder stelle ich ein dickes Buch – damit die Maus beim Rettungsversuch nicht flüchten kann. Rechts steht Moritz, wartend. Den packe ich und befördere ihn ins Bad. Dann halte ich meine mit dem Tüchlein bewehrte Hand an der rechte Seite der Bilder und ziehe die Bilder von oben vorsichtig von der Scheibe weg. Tatsächlich: dahinter hockt das Mäusche. Ein kurzer Griff, und das Pelztierchen ist im Tüchlein gefangen. Bei Licht betrachte ich es gründlich, es ist unverletzt. Ich wickle das Tuch ums Mäuschen und trage es nach unten. Setze es ins Gebüsch, und das Mäuslein huscht von dannen.

Wieder in der Wohnung angekommen, befreie ich Moritz aus dem Bad. Er flitzt sofort zu den Bildern am Fenster.

Versucht es rechts …

… guckt von links.

Kein Mäuschen mehr da. Pech gehabt. Ich hab wieder meine Ruhe, und das Mäuschen kann hoffentlich noch eine zeitlang sein Leben genießen.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wenn das Mäuschen noch ein schönes Leben hätte wäre schön.
    Leider mache ich immer die Erfahrung, dass die von uns geretteten Mäuschen den Schock leider nie überleben. Ganz oft finden wir sie wenig später ein Stückchen vom Rettungsort entfernt zusammengekauert und tot, :(

    Dann werden sie ordentlich beerdigt, damit sie in den Mäusehimmel kommen…

  2. Ja, leider!
    Gestern Abend kam Moritz schon wieder mit einem Mäuschen an – es lebte. Aber als ich es mit dem Tüchlein unter dem Sofa (Moritz’ Esstisch) hervorholte, was es bereits gestorben. Es war noch ganz warm … ich hab es dann in den Garten getragen und zwischen den Giersch gebettet.

  3. Hallo Renate, war es wirklich tot??? Die verfallen doch auch in so eine Schreckstarre und nach ein paar Minuten flitzen sie wieder rum. So habe ich es wenigstens mit denen erlebt die Mausi mitbrachte.
    Lady und Maxel haben diese Angewohnheit gottseidank nicht.
    Liebe Sonntagsgrüße aus typischem Aprilwetter, Sonnenschein, Regen mit Graupel, Gewitter und wieder Sonnenschein. Man weiß nicht ob man raus geht, aber wir schaun mal, ist ja noch nicht so spät.
    Christiane.

  4. Ich hätte auch so gehandelt, liebe Renate. :-)
    Habe in der Vergangenheit auch schon so manche Maus aus den Fängen von Katzen befreit. ;-)
    LG Nadine

  5. Gut gemacht! Ich rette auch jedes Mäuslein, dessen ich habhaft werden kann. Leider sind meine Katzenmädels da ziemlich unerbittlich und rücken ihre kleinen Gefangenen nicht freiwillig wieder heraus… Mein Moritz selig hat mir seinen Fang immer gegeben, wenn ich ihn darum bat.

    LG Christina

  6. Hi Renate,
    schön geschrieben hast Du diese kleine Mäusejagt-Geschichte :-)
    Meine Mietze ist eine reine Hauskatze … was mir ja manchmal etwas Leid tut, aber ich glaube hier in der Großstadt ist das besser so, und wir haben eine große Wohnung.
    Wie auch immer, irgendwie bin ich ganz froh, dass ich nicht dauernd mit ins Haus geschleppten Mäuschen zu tun habe. Und wenn die dann vielleicht sogar schon tot sind … brrr, muss nicht sein ;-)
    Finde ich aber schön, dass Du die kleine gerettet hast :-)
    LG,
    Jenni

  7. Bei euch ist ja was los ;)
    Ich hätte es bestimmt auch gerettet, aber hier kommt das ja nicht so vor. Außer unsere zwei Nachbarkatzen meinen uns eine Freude machen zu können, jedoch muss ich sie dann auch beerdigen :(

    Das sie Mäuse töten und fressen liegt nun mal in der Natur ;)

    Hat denn Moritz es nicht bemerkt, dass du für den Verlust der Maus schuld warst ?

    LG
    Marlene

  8. Ich habe mal gelesen, dass man eine leere Küchenpapierrolle an einem Ende zustopfen soll und vor das Mäuschen halten soll. Die würden sich dann sofort darin in Sicherheit bringen. Vielleicht kann man damit Mäusebissen vermeiden.

    Die nagende Beute meines Mitbewohners lebt nicht mehr, wenn sie lauthals eigenlobend angebracht wird.

  9. Mittlerweile hat der Jäger schon wieder Beute gemacht – öfter. Leider mit tödlichem Ausgang … ;-)

    Die Idee mit der Küchenrolle werde ich bei nächster Gelegenheit ausprobieren. Danke für den Tipp!

    Liebe Grüße
    Renate

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