Eine kleine Katzenkunde

Kater FelixKater Felix

Der Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen und lebt nicht gern allein. Allerdings schätzt er als Gesellschaft nicht nur Artgenossen, sondern auch Tiere. Zu den herkömmlichen Haustieren gehören Hamster, Meerschweinchen, Frettchen, Kaninchen, Wel­lensittiche, Hunde und natürlich die Katze. Ge­nauer gesagt, ist sie das Lieblingshaustier der Deutschen. Mehr als sieben Millionen Leisetreter tummeln sich in unseren Haushalten und haben damit dem ursprünglichen Favoriten, dem Hund, den Rang abgelaufen – er liegt in seiner Beliebtheit nur noch an dritter Stelle.

Der Grund dafür liegt wohl in ihren diversen Vorteilen. Im Gegensatz zu Hunden, die keinen besonders guten Geruch verbreiten, wenn sie nass sind, riechen Katzen immer lecker. Selbst wenn sie stundenlang durch strömenden Regen getigert sind (ja, Katzen machen so was!), stinken sie nicht, sondern riechen höchstens ein bisschen nach Schaf. Katzen sab­bern nicht und reinigen sich selbst.
Katzen brauchen nicht (zu nachtschlafender Zeit oder in aller Herrgottsfrühe) Gassi ge­führt zu werden, denn sie sind das einzige Haustier, das eine Toilette benutzt und seine Hinterlassenschaften verscharrt – drinnen gleichermaßen wie draußen. Ein weiterer und sehr angenehmer Vor­teil von Katzen ist, dass sie nicht hysterisch bellen, sobald die Türklingel ertönt, sondern bestenfalls das Weite suchen, um von einem sicheren Plätzchen aus auf­merksam zu beobachten, wer es wagt, ihre Ruhe zu stören. Noch ein Vorteil (vor allem für alleinlebende Menschen) ist der, dass Katzen gern schmusen. Sie lieben Körperkontakt, stupsen ihre Nase an unsere, ringeln sich auf unserem Schoß ein, wärmen als lebender Pelzkragen unseren Hals und schnurren uns in den Schlaf. Aufgrund dieser emotionalen Verbundenheit leben Katzenbesitzer statistisch ge­sehen übrigens ein paar Jahre länger als Menschen ohne pelzigen Untermieter. Die Miezen sind also auch gut für unsere Psyche.

Über den Ursprung der Hauskatze ist man sich nicht völlig einig, aber allge­mein wird davon ausgegangen, dass sie von der afrikanischen Wildkatze abstammt. Als die Menschen sesshaft wurden, schloss die Katze sich ihnen am Rand der Siedlungen an, als Nutznießerin der Abfälle vermutlich und wegen der vielen Ratten und Mäuse in den Kornkammern.

Die Domestizierung von Katzen begann vor rund sechstausend Jahren in Ägypten. Zeichnungen belegen, dass Katze und Mensch schon damals friedlich zusammengelebt haben.

Außer einer Zeitspanne im Mittelalter, in der die Samtpfoten als Schülerinnen des Teufels und Begleiterinnen von Hexen betrachtet wurden und mit ihnen auf dem Scheiterhaufen landeten und verbrannt wurden, gehören sie seitdem zum häuslichen Leben. Allerdings hat sich ihr Status im Laufe der Zeit deutlich zu ihren Gunsten verändert. Mussten sie früher mit der Jagd auf Mäuse und Ratten selbst für ihr Futter sorgen, so haben sie mittlerweile eine sehr komfortable Position als verwöhntes Heimtier erreicht – mit dem die Katzenfutterindustrie Milliardenumsätze erzielt.

Wie alle Kleinkatzen geht auch die Hauskatze auf den Zehenspitzen. An den Vorderbeinen hat sie fünf Zehen, von denen eine beim Gehen den Boden nicht berührt, an den Hinterbeinen vier. Die dreißig Zähne der Katze eignen sich hervorragend zum Zubeißen. An der Basis der großen Eckzähne befinden sich Drucksensoren, mit denen der Todesbiss exakt dosiert wird.

Mit den Reißzähnen werden Fleisch und Knochen zerkleinert. Mit den verhornten Papillen der Zunge raspelt die Katze Fleischreste von den Knochen, außerdem dient die Zunge auch als „Bürste“ bei der Fellpflege und als „Schöpfkelle“ beim Trinken.

So scharf wie der Mensch sieht die Katze nicht, dafür findet sie sich aber auch bei schwachem Licht problemlos zurecht – die schlitz­för­migen Pupillen werden dann kreisrund und groß. Farben allerdings nimmt sie sehr eingeschränkt wahr, vollkommen farbenblind ist sie aber nicht. Weil sie ihre Augen nur minimal nach links oder rechts bewegen kann, muss die Katze ihren Kopf drehen, um in eine andere Richtung zu sehen.

Das Gehör von Katzen ist besonders gut ausgebildet und dreimal so empfindlich wie beim Menschen. Um eine Schallquelle zu lokalisieren, verharrt die Katze und richtet die beweglichen Ohren in die Richtung, aus der das Geräusch kommt.

Der Geruchssinn ist bei der Katze nicht so gut ausgebildet wie das Gehör aber deutlich besser als bei Menschen. Katzen erkennen sich gegenseitig am Geruch, der über Geschlecht, Gene, hormonellen Status und Revieransprüche Auskunft gibt. Ihr Revier markieren sie mit Urin oder Duftstoffen ihrer Talg- und Schweißdrüsen. Der Tastsinn ist bei Katzen ebenfalls stark entwickelt. Über den ganzen Körper verteilt besitzen sie entsprechende Rezeptoren. Vor allem an Ober- und Unterlippe befinden sich hochsensible Schnurrhaare, die zum Beispiel eine zu enge Öffnung oder ein Hindernis anzeigen.

Unsere Stubentiger sind Weltmeister im Balancieren und können sich bei einem Fall über mehrere Meter aus nahezu jeder Position in die Bauchlage drehen, aus der sie dann mit nach unten gestreckten Pfoten sicher auf dem Boden landen. Ihre Sprungweite beträgt das 14fache ihrer Körperlänge.

Die weit verbreitete Meinung, Katzen seien Einzelgänger, ist widerlegt. Von Natur aus sind sie sehr sozial und lieben das Zusammensein mit Artgenossen. Trotzdem bleiben sie In­divi­dualisten, die selbst bestimmen, wo, wann und mit wem sie ihre Zeit verbringen. Leben sie nicht mit Menschen zusammen, bilden sie gern große Gruppen mit matriarchalischer Rangordnung.

Katzen kommunizieren mit Körpersprache, Lauten und Gerüchen. Ihren emotionalen Zustand signalisieren sie durch Bewegung und Haltung von Körper und Schwanz. Auch der Zustand der Pupillen und die Stellung von Ohren und Schnurrhaaren spielen eine Rolle. Wer diese Zeichen versteht, weiß genau, wie er sich verhalten sollte. (Dazu gibt es auf Seite 62 ein paar Informationen).

Drei Viertel ihres Lebens zu verschlafen, ist für Katzen völlig normal. Sie tun das über den Tag verteilt, wobei sich Tiefschlaf und oberflächlicher Schlaf abwechseln. Akuter Schlafmangel kann die Katze in wenigen Tagen töten, dauernde Unterbrechungen der Tiefschlafphase führen zu schweren gesundheitlichen Schäden. Nach dem Schlaf wird erstmal ausgiebig gegähnt, danach der Körper gestreckt und jedes Gelenk ausgiebig gedehnt. Damit erhalten sie die katzentypische Geschmeidigkeit.

Im sechsten Lebensmonat ist eine Katze normalerweise geschlechtsreif, das heißt, sie ist fünf bis sechs Tage lang empfänglich. Sie rollt auf dem Boden herum, reibt sich an Gegenständen, streckt ihr Hinterteil auffordernd in die Höhe und signalisiert ihre Paarungsbereitschaft durch Duftstoffe im Urin und eindringliches Rufen. Wird sie in dieser Zeit nicht von einem Kater gedeckt, wiederholt sich der Vorgang nach drei Wochen. Der Akt als solcher dauert nur wenige Sekunden und ist für die Katze kein Vergnügen, weil sich am Penis des Katers Widerhaken befinden, die beim Zurückziehen einen krampfartigen Schmerz verursachen. Dieser Schmerz allerdings ist notwendig um den Eisprung auszulösen.

katzenbuchNach einer Tragezeit von rund 65 Tagen kommen bis zu sieben Kätzchen auf die Welt, die von verschiedenen Vätern stammen können. Bei der Geburt noch blind, öffnen die Katzenbabys nach ungefähr neun Tagen die Augen. Gesäugt werden sie ungefähr sieben Wochen, danach werden sie von der Mutter gefüttert und lernen das Erbeuten von Nahrung. Das Jagen und Töten von Beute hat eine Katze übrigens nicht im Blut, sondern muss ihr von der Mutter beigebracht werden. Ist das aus irgendeinem Grund nicht der Fall, weil sie zu früh von ihr getrennt wird zum Beispiel, lernt die Katze dieses Verhalten nie mehr und ist von Menschen serviertem Futter oder ergatterten Essensresten abhängig.
Sind die Jungen ungefähr vier Monate alt, wendet sich die Katze von ihnen ab, weil sie jetzt eigene Wege gehen sollen und können (zumindest in freier Natur). Lässt man Mutter und Junges zu­sammen, kann das zu Raufereien und deutlich demonstriertem Unbehagen der Mutterkatze führen. Das zeigt sich unter anderem darin, dass sie unsauber wird, ih­ren Nachwuchs “verdrischt” oder nur noch zum Fressen nach Hause kommt – falls sie das Vergnügen hat, raus zu dürfen.

Die Geschichte stammt aus: “Das kunterbunte Katzenbuch”

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