Rosso und die Feuerwehrleute

Wo ist Rosso?
Gestern Abend. Ich sitze auf dem Sofa und schaue einen Film über Wolfgang Schäuble an. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es kurz vor 21:00 Uhr ist. Und ein Blick auf den Sessel vor mir sagt mir, dass er leer ist. Kein Rosso drauf. Wo steckt der kleine Kerl? Zum letzten Mal bewusst wahrgenommen habe ich ihn vor über einer Stunde; da ist er raus, auf die Terrasse. Ob er wieder reingekommen ist, weiß ist nicht, denn von der Terrasse aus kann man über zwei Türen in die Wohnung gelangen.

Also stehe ich auf und suche meinen roten Racker. Im Arbeitszimmer ist er nicht. Ich gehe ins Schlafzimmer. Schaue unters Bett und in alle Winkel. Kein Kater!

Strawanzt der rote Racker etwa seit einer Stunde auf dem Dach rum? Ungewöhnlich!

Ich hole die Taschenlampe, gehe auf die Terrasse und leuchte aufs Dach. Nichts zu sehen von Rosso. Ich rufe. Keine Reaktion. Ich pfeife. Keine Reaktion.

Mit der Taschenlampe in der Hand gehe ich nach unten in den Hof. Gehe ums Haus rum, um auf die andere Dachseite zu schauen.

Rosso ist im Schneefanggitter verhakt
Plötzlich ein Miauen. Ich leuchte mit der Taschenlampe aufs Dach – und sehe zwei gelbe Augen aufglühen.

Rosso! Er hockt beim Schneefanggitter und miaut.

“Komm her, Rosso”, rufe ich. Er bewegt sich nicht, miaut nur. Ich gehe ein paar Meter weg, raus aus seinem Sichtfeld, weil ich hoffe, dass er sich dann auf die Socken macht und übers Dach auf die andere Seite tippelt – zu meiner Wohnung.

Ich gehe wieder zurück, leuchte aufs Dach. Rosso hockt nach wie reglos am Schneefanggitter – und miaut kläglich. Da muss was passiert sein, wieso bewegt er sich nicht von diesem Gitter weg? Irgendwie scheint er dort festgeklemmt oder verhakt zu sein.

Ich klingle bei den Nachbarn, von deren Ost-Balkon ich besser aufs Dach schauen kann.

Das Dach ist zu hoch, ich kann nicht draufschauen. Ich hole einen Stuhl, stelle mich drauf und schaue aufs Dach – jetzt von der östlichen Seite. Rosso hockt nach wie vor am Schneefanggitter – und miaut. Er ist ganz offensichtlich festgeklemmt. Wie und und mit welchem Körperteil, kann ich aus der meterweiten Entfernung nicht ausmachen.

Hysterische Nachbarin
Derweil fängt meine Nachbarin an, hysterisch zu brüllen, ich solle nicht aufs Dach steigen.

“Ich steige nicht aufs Dach”, will ich sie beruhigen, “ich schaue nur, was da los ist.”

Das interessiert die Nachbarin nicht. Sie brüllt weiter: “Kommt von dem Stuhl runter, das ist MEINE Wohnung.”

Ich mache mir große Sorgen um meinen Kater und sage: “Das ist MEIN Kater, und er ist eingeklemmt. Ich muss da irgendwie hin, am besten vom Garten aus hochsteigen. Könnt ihr mir eure Leiter leihen?” (Der Dachanfang inkl. Schneefanggitter ist nur ungefähr 3 Meter vom Erdboden entfernt. Eine lange Leiter könnte mir helfen, den Kater zu befreien.)

“Nein, die Leiter kriegst du auf keinen Fall. Es ist dunkel!”

Prima Argument! Und dass es dunkel ist, habe ich auch schon mitgekriegt …

Also, was tun?

Ich ruf den Hausmeister an. Der hat keine Zeit. (Ich vermute, er hat keine Lust.)

Anruf beim Feuerwehr-Notruf
Also wähle ich die Notrufnummer der Feuerwehr.

Der freundliche Mann am anderen Ende der Leitung sagt mir, dass er die Meldung umgehend weiterleiten werde und bald jemand käme.

Ich gehe wieder zur Westseite des Hauses, leuchte aufs Dach – Rosso hockt nach wie vor am Schneefanggitter. Und miaut.

Ich gehe wieder rauf in die Wohnung und rufe die Tierärztin an. Es ist mittlerweile kurz nach halbzehn. Gott sei Dank geht sie ran, und ich sage ihr, was passiert ist und dass Rosso vermutlich verletzt ist. Ob ich nach der Rettung durch die Feuerwehr mit ihm in die Praxis kommen könne.

Ja, sagt sie. Und falls er nicht verletzt sei, solle ich auch anrufen, damit sie schlafen gehen könne. Ich verspreche es und gehe wieder nach unten.

Rosso hockt an Ort und Stelle und miaut.

Die Feuerwehr kommt
Ich stehe in der dunklen Nacht und sehe plötzlich in der Ferne blaues Licht blinken. Die Feuerwehr ist bereits im Anmarsch. Hat keine Viertelstunde gedauert!

Die zwei Männer schauen sich die Sachlage an, und derweil kommt noch ein zweiter Einsatzwagen. Ungefähr 8 Männer und eine Frau wuseln nun durch Hof und Garten, schleppen eine Leiter herbei und leuchten mit einem gleißend hellen Scheinwerfer aufs Dach. Rosso hockt nach wie vor am Schneefanggitter.

Ich gehe in den Keller, um den Katzenkorb zu holen.

Die Feuerwehrmänner schauen, wie und wo sie am besten die Leiter platzieren. Rosso hockt nach wie vor am Schneefanggitter, miaut aber nicht mehr. Vermutlich ist er von Panik übermannt. Mein Superangsthäschen, das vor jedem fremden Geräusch und jedem fremden Menschen flieht – hockt mitten im grellen Scheinwerferlicht und sieht sich umzingelt von fremden Menschen. Was für eine Stress-Situation. Normalerweise wäre längst über alle Berge, jetzt kann er aber nicht fliehen, weil er aus irgendeinem Grund festgeklemmt ist.

Rosso reißt sich los
Ein Feuerwehrmann lehnt die Leiter ans Dach, ein anderer steigt rauf – Katzenkorb in der Hand.

Da, oh Gott, was ist das denn? In seiner Panik hat Rosso sich losgerissen und versucht, das Dach raufzuhumpeln. Er kommt aber nicht weit, sondern rutscht auf dem Popo nach unten, wo er wieder am Schneefanggitter landet.

Jetzt müsste der Feuerwahrmann blitzschnell zugreifen, macht er aber nicht, sondern ist mit dem Korb beschäftigt, den er irgendwie befestigen möchte, um die Hände frei zu haben, um den Kater zu fangen.

Rosso versucht ein zweites Mal nach oben zu humpeln, kommt wieder nicht weit, rutscht wieder runter – und humpelt jetzt in Richtung Dachende auf der Westseite – dorthin, wo ich stehe. Unten im Garten natürlich, nicht am Dach.

Mein Gott, jetzt Rosso hockt im Dachwinkel, steckt vor lauter Verzweiflung seinen Kopf in das Abflussrohr der Dachrinne, und ich befürchte schon, dass er dort stecken bleibt.

Rosso zieht seinen Kopf wieder aus, rennt panisch hin und her, denn nun schleppen die Feuerwehrleute eine zweite Leiter herbei, um an der neuen Stelle Rosso greifen zu können.

Rosso fällt vom Dach
Die Leiter steht noch nicht am Dach, als der verzweifelt hin und her hastende Rosso abrutscht, über die Dachrinne rutscht, sich mit der linken Pfote einen Sekundenbruchteil an der Dachrinne festhält – und dann runterfällt. Oh Gott!

Ich will sehen, wo er gelandet ist und ob er sich verletzt hat, komme aber nicht dazu, denn wie ein geölter Blitz rast Rosso an mir vorbei, in Richtung Hof. Ach du liebe Güte … flüchtet er jetzt in den Nachbargarten?

Ich renne in den Hof und sehe, dass ich die Haustür offen gelassen habe. Ein Hoffnungsschimmer – vielleicht ist er ja nicht in den Nachbargarten geflüchtet, sondern ins Haus rein und die Treppe hoch.

Ich renne auch ins Haus, renne die Treppe hoch – und was sehe ich? Rosso hockt vor der Wohnungstür. Ein riesiger Stein fällt mir vom Herzen.

Ich packe mein Angsthäschen beim Schlafittchen, trage es in die Wohnung und ins Badezimmer. Gehe raus und verschließe die Badezimmertür.

Blutspuren im Flur

Dann gehe ich runter, um den Katzenkorb bei den Feuerwehrleuten abzuholen, denn jetzt muss Rosso zur Tierärztin. Die Treppe im Flur ist voller Blutflecken …

Ich bedanke mich bei den Feuerwehrleuten und haste mit Katzenkorb wieder nach oben. Dort hockt Rosso in der Badewanne und zittert. Fliesen und Badewanne sind blutverschmiert.

Ein Blick auf Rossos Pfote sagt mir, dass sie die Ursache für das viele Blut ist. Genauer schaue ich nicht hin, könnte aber sein, dass eine Zehe fehlt.

10 Minuten später bin ich bei der Tierärztin, mittlerweile ist 22:00 Uhr.

Rossos Zehen sind alle vorhanden, aber an der rechten Hinterpfote hat er sich zwei Krallen rausgerissen. Was muss das wehgetan haben! Doch vermutlich hat er in seiner Panik nichts gespürt. Ein Adrenalinschub übertüncht die Schmerzen.

Rosso wird versorgt
Die Tierärztin (Tanja Lücke, die ich über alle Maßen schätze) steckt Rossos lädiertes Pfötchen in ein Fußbad. Er lässt es ohne Widerstand geschehen und macht es sich auf dem Behandlungstisch bequem. Auf einem Frotteetuch. Vermutlich erinnert er sich an Frau Lücke … wir waren schon öfter bei ihr.

Rosso bekommt eine Traumel-Spritze, für eine bessere Wundheilung. Auf die Gabe von Antibiotikum erzichtet Frau Lücke. Das finde ich sehr gut, denn Rosso bekommt ja immer noch Tabletten zum Aufbau seiner Immunabwehr. Da wäre ein Antibiotikum definitiv kontraproduktiv!

Seine verletzten Zehen werden mit einem Lasergerät behandelt, damit sich die Blutgefäße schließen, zum Schluss sprüht Frau Lücke noch ein Spezialspray zur Desinfektion darauf, und übergibt mir ein paar Traumel-Tabletten und eine Schmerztablette für den nächsten Tag – falls er dann noch sichtbar Schmerzen haben sollte.

Um elf Uhr sind Rosso und ich wieder Zuhause. Dort schaue ich mir zum ersten Mal sein Pfötchen genauer an. Wie Katzenzehen mit rausgerissenen Krallen aussehen, weiß ich nur allzu gut, weil Moritz sich 4 Mal eine Kralle rausgerissen hatte.

Rossos Zehen sehen relativ gut aus. Blutverkrustet, aber nicht arg schlimm. Die Blutung ist auch gestoppt.

Ich setze mich aufs Sofa und beruhige mich erstmal mit einem Film. Nach einer Weile kommt Rosso und legt sich auf meine Oberschenkel. Er schnurrt, und ich streichle sein Bäuchlein.

Ruhe nach dem Sturm
Um halbzwei gehen wir schlafen. Ich liege unter der Bettdecke, Rosso auf “seiner” Wolldecke. Ich habe sie extra für ihn hingelegt. Sie ist sein Bett auf meinem Bett. Alles muss schließlich seine Ordnung haben!

Bevor ich das Licht lösche, streichle ich sein Köpfchen und sein Bäuchlein.

Ich liege im Dunkeln und atme tief durch. Wir haben Glück gehabt, denn die Sache hätte weitaus schlimmer ausgehen können!

PS: Den Feuerwehreinsatz muss ich nicht bezahlen, weil in Bayern lt. Gesetz die Rettung/Bergung von Tieren durch die Feuerwehr nichts kostet. Aus diesem Grund habe ich darum gebeten, mir die Kontodaten der Freiwilligen Feuerwehr Schondorf zu mailen.

Die Kontonummer habe ich heute bekommen und habe gleich eine Spende an die Feuerwehr überwiesen.

An dieser Stelle danke ich den Schondorfer Feuerwehrleuten ganz herzlich für ihren engagierten Einsatz. Und ein großes Danke geht auch an Frau Lücke, der Frau für alle Felle!

Hier noch eine Skizze vom Dach und dem Ablauf gestern Nacht.

Und hier noch das Corpus Delicti:

Das Leben außerhalb der Badewanne

Rosso genießt es sichtlich, dass Krach und Stress endlich vorbei sind, und er wieder an einen diversen Lieblingsplätzen rumlümmeln kann. Hier im Wohnzimmer – das Bäuchlein wohlig gewärmt vom Abendlicht.

Und seine anderen Lieblingsplätze belegt er jetzt auch wieder.

Husten habe ich ihn auch schon seit Tagen nicht mehr gehört – ich hoffe also, dass wir die stressige Zeit gut überstanden haben.

Rosso hustet!

Nach dem Besuch von zwei Tierärzten ging es Rosso nicht besser, denn er hustete trotzdem immer wieder mal. Nicht oft, aber trotzdem …

Also habe ich meine bewährte Haustierärztin angerufen, ihr die Siatuation geschildert, und ihre spontane Reaktion war: Lungenwürmer!

Ich habe gegoogelt und stellte fest, dass Rosso tatsächlich Symptome von Lungenwürmer-Befall zeigt: Trockener Husten und leichter Augenausfluss. Sein Appetit war erfreulicherweise ungebrochen, und lethargisch war er Gott sei Dank auch nicht …

Rosso wurde entwurmt (mit 3 wöchentlichen Wiederholungen, denn den Biestern den Garaus zu machen, geht nicht von heute auf morgen).

Außerdem bekommt er seit 2 Wochen Tabletten, um sein Immunsystem wieder auf Vordermann zu bringen. Der Stress und die Lungenwürmer und obendrauf vermutlich noch eine Allergie gegen Hausstaub und Milben haben die Immunabwehr von Rosso arg strapaziert.

Nun hustet er deutlich weniger – einmal die Woche, zumindest, soweit ich es mitkriege – er kann ja auch außer meiner Hörweite husten.

Und wir inhalieren!

Das haben alle drei Ärzte empfohlen. Ich habe es einmal mit Salbeitee-Dampf versucht und ein Schälchen direkt vor Rossos Korb gestellt und mit Handtüchern abgedeckt.

Aber das kann man vergessen! Erstens kriegt er im Korb unter 3 Handtüchern kaum noch Luft. Zweitens gelangt vermutlich nur ein kleiner Teil des Salbei-Dampfes in Rossos Näschen. Also habe ich ein Inhalationsgerät gekauft.

Als ich es das erste Mal eingeschaltet habe, raste Rosso wie von der Tarantel gestochen davon. Also musste ich es im Korb versuchen und bugsierte den roten Liebling mit größter Kraftanstregnung in den Korb – er hasst den Korb!

Dann habe ich das Gitter am Korb verschlossen und den Inhalator eingeschaltet. Rosso raste mehrmals völlig entsetzt im Kreis – im Korb.

Doch dann – wie von Zauberhand – setzte er sich hin, und ich steckte das Inhalatinsröhrchen durch das Gitter, der feine Dampf schwebte nach innen – in Rossos Näschen. Und er ließ es geschehen! Völlig ruhig und gelassen saß er da und schaute mich mit großen Augen an. Derweil brummte das Inhalationsgerät, aber der sonore Brummton störte meinen Liebliing nicht mehr.

Nach 5 Minuten entfernte ich das Gitter – Rosso machte nicht den geringsten Versuch, nach draußen abzuhauen, sondern blieb ganz ruhig sitzen. Dann hielt ich das Röhrchen direkt vor sein Näschen. Er ließ es geschehen.

Nach 10 Minuten schaltete ich das Gerät wieder aus – und Rosso blieb seelenruhig noch ein paar Minuten im Korb sitzen. Dann schob er sich gaaanz langsam aus dem Korb und tippelte davon.

Und dann passierte etwas, das ich bis heute nicht fassen kann. Rosso, der wie gesagt den Korb hasste, saß eine Stunde später wieder drin. Wollt er etwa inhalieren?

Ich schaltete das Inhalationsgerät an und hielt ihm das Inhalatorröhrchen vor die Nase. Das gefiel ihm. Also inhalierten wir nochmal 10 Minuten.

Und dann die nächste Überraschung. Als ich ihn später am Abend suchte – im Schlafzimmer nach ihm schaute, unters Sofa und aufs Dach schaute, ihn aber nicht fand, entdeckte ich ihn schließlich in meinem Arbeitszimmer – im Korb! Dort hatte er sich gemütlich eingeringelt.

Seither ist der bislang verhasste Katzenkorb sein Lieblingsplatz.

Die Dachdecker sind weg!

Ruhe! Ruhe! Ruhe! Die Dacharbeiten wurden am 8. August fristgemäß beendet. Rosso musste sich natürlich überzeugen, ob die Arbeiten ordentlich durchgeführt wurden. Alles okay!

Angenehm ist nicht nur die Ruhe, sondern auch die Tatsache, dass die Terassenbrüstung, auf der Rosso so gern rumlungert, doppelt so breit ist wie vorher.

Dort räkelt und streckt er sich und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen.

Und endlich versteckt sich der kleine Racker tagsüber auch nicht mehr in der Badewanne, sondern lümmelt auf meinem Schreibtisch herum. Das hatte ich nämlich sehr vermisst!<

Und an das neue Dach hat er sich mittlerweile auch gewöhnt. Die Gerüche verändern sich ja nun nicht mehr täglich, und endlich gehört das Dach jetzt wieder meinem geliebten Liebling ganz allein.

Der Stress geht weiter

Rosso lag nach wie vor jeden Wochentag von morgens halbacht bis abends sechs Uhr in der Badewanne. Mittlerweile wartete er gar nicht mehr auf die ersten Geräusche – seine innere Uhr leitete ihn eine halbe Stunde bevor die Handerker auftauchten schon ins Bad.

Köpfchen oder Bäuchlein kraulen auf meinem Schreibtisch war nur noch am Wochenende möglich. Deshalb ging ich mindestens einmal pro Stunde ins Bad, um mein Rosinchen zu streicheln, ihm gut zuzureden und immer wieder zu versichern, dass der Stress bald ein Ende hat.

Er glaubte mir nicht.

Dafür sprang er jeden Abend auf die Brüstung, um nach den Neuigkeiten auf dem Dach zu schauen.

Geheuer war ihm das alles nicht, und seine Erkundungsausflüge dauerten nur kurz. Dann hüpfte er wieder vom Dach und tippelte in die Wohnung – dort fühlte er sich sicherer als auf dem sich täglich verändernden Dach mit den stets neuen Gerüchen. Katzen mögen keine Veränderungen!

Am Wochenende dann konnte er sich erholen, und das machte er gern auf dem Terrassentisch.

Beim Einbau der neuen Dachfenster hatte ein Handwerker die Rigipsplatte beim Dachfenster aufgesägt – ohne Staubsauger! Kein Mensch kann sich vorstellen, wie es in meinem Obergeschoss aussah. Alles komplett mit Rigipsstaub bepudert! ALLES! Ich war vielleicht sauer …

Natürlich war auch das Bett in Mitleidenschaft gezogen, und ich konnte die gesamte Bettwäsche waschen. Das hat Rosso gefallen, denn so konnte er es sich hinter den aufgehängten Laken gemütlich machen. Höhlenatmosphäre!

Dabei machte er dann wieder einen relativ entspannten Eindruck. Aber: Hin und wieder hustete er.
Anfangs maß ich dem wenig Bedeutung bei, aber als er immer wieder hustete, bekann ich mir Sorgen zu machen und wollte der Sache auf den Grund gehen.

Ich recherchierte im Internet und fand dort verschiedene Ursachen für den Husten. U. a. könnte sich ein Grashalm in seinen Rachen gebohrt haben. Um das herauszufinden, muss man evtl. röntgen. Meine von mir sehr geschätzte Haustierärztin hat aber kein Röntgengerät, so fuhr ich mit Rosso zu dem Tierarzt, der seinerzeit Moritz von seinem Heuschreckenbein befreit hatte.

Zwei Stunden war ich über 400 Euro los, denn der Arzt hatte eine Endoskopie durchgeführt. Dabei hat er zwar keinen Grashalm gefunden, aber eine leicht entzündete Stelle an der Luftröhre gefunden. Ob das die tatsächliche Ursache für den Husten sei, könne er aber nicht sagen.

Dann erzählte ich dem Arzt von dem Stress, dem Rosso seit Anfang Juli ausgesetzt war, und fragte, ob der möglicherweise die Entzündung unterstützt haben könnte.

Durchaus möglich, meinte der Arzt.

Vorsichtshalber hatte er auch noch eine Gewebeprobe entnommen, um sie pathologisch untersuchen zu lassen.

Also abwarten. Noch wenige Tage, und auch auf dem Dach wäre wieder Ruhe.

Meinen roten Liebling beobachtete ich mit Argusaugen und versorgte ihn täglich mit Hustensaft. Gottseidank war sein Verhalten sonst normal – er war guter Laune (am Wochenende) und hatte Appetit.
Nur eines machte er nicht mehr: Er schlief nachts nicht mehr bei mir im Bett und das morgendliche Kuscheln fiel demzufolge auch aus.

Rosso war durch diesen Lärm/Krach/Dreck auf dem Dach und mittlerweile auch auf meiner Terrasse traumatisiert. Daran besteht für mich nicht der geringste Zweifel.


Fotsetzung folgt

Stress ohne Ende

Wie ich schon geschrieben habe, begann am 1. Juli die Dach-Komplettsanierung. Verbunden mit sehr viel Lärm und sehr viel Dreck/Staub.

Seit diesem Datum lebte Rosso an den Wochentagen von halbacht Uhr morgens bis sechs Uhr abends in der Badewanne. Mein Badezimmer hat kein Tageslicht, befindet sich mitten in der Wohnung, und dort ist der Lärm vermutlich am wenigsten laut. Keine Ahnung … auf jeden Fall rannte Rosso schon vor Beginn der täglichen Arbeiten so gegen halbacht ins Badezimmer. Vermutlich hat ihm seine innnere Uhr gesagt: mach dich auf die Socken und rette dich.

Zwischendurch hatte ich den Eindruck, dass es ihm psychisch relativ gut ging, der Stress sich für ihn also in Grenzen hielt, denn er lag relativ entspannt in seinem weißen Refugium. Auf rosa Handtuch.

Einmal allerdings muss ihn etwas sehr verängstigt haben, denn er hat sich unter dem Handtuch verbuddelt und stundenlang keinen Mucks von sich gegeben. Mein Rosinchen war im vollen Psychostress. Irgendein Geräusch muss ihm die totale Angst eingejagt haben. Erst nach Stunden hat er sich wieder beruhigt.

Abends dann, als ich ihm gesagt habe, dass wieder Ruhe herrscht, machte er sich auf die Pirsch und untersuchte sein Revier, das jeden Tag anders aussah. Und anders roch.

Wie sehr ihm diese ganze Situation aufs Gemüt geschlagen hat, sollte ich erst drei Wochen später erfahren. Der erste Hinweis war der: nach ungefähr einer Woche der Dachdeckerarbeiten fing er an zu husten.

Wenn eine Katze hustet, kriegt man als Mensch einen Riesenschreck, denn die Geräusche klingen furchtbar.

Wie oft er gehustet hat, weiß ich nicht, denn er lag ja von Montag bis Freitag tagsüer in der Wanne. Nur am Wochenende, wenn er sich wieder auf den Schreibtisch gelegt hat, oder am Abend, wenn er neben oder auf mir auf dem Sofa lag, habe ich mitgekriegt, dass er hustet.

Fortsetzung folgt

Stressige Zeiten

Am 3. Juli war das Gerüst aufgebaut, und am Wochenende hatte Rosso Zeit, sich zu entspannen und zu erholen. Dazu kruschtelte er Luftpolsterfolie aus dem Schrank im Arbeitszimmer und machte es sich darauf bequem.

Am Sonntag war der kleine Kerl wieder relativ entspannt, doch am Montag ging der Stress weiter. Punkt acht Uhr morgens tauchten die Dachdecker wieder auf.

Beim ersten Geräusch im Hof raste Rosso ins Arbeitszimmer und versteckte sich im Regal.

Dort lag er nach einer Weile relativ entspannt. Aber nicht lange, denn plötzlich ertönten auf dem Dach laut kreischende Sägegeräusche, und Rosso spurtete in sein Refugium: ins Bad. Er hatte furchtbare Angst, zitterte und zog das Köpfchen ein.

Er tat mir so leid, der kleine Kerl. Ich redete ihm gut zu und streichelte sanft sein Köpfchen. Aber das nutzte nichts. Er suchte Zuflucht unter dem Badetuch.

Dort lag er den ganzen Tag. Allerdings holte ich ihn unter dem Badetuch hervor und legte ihn darauf. Ich wollte nicht, dass er sich auf dem kalten Emaille der Badewanne erkältete.

Da er seine “Geschäfte” ja in einem der großen Kübel auf der Terrasse erledigt, musste ich nun dafür sorgen, dass er die Geschäfte im Badezimmer erledigen konnte und hatte schon vor Tagen das Katzenklo aus dem Keller geholt. Das war eine gute Idee, denn zumindest erledigte er seine “kleinen Geschäfte” im Katzenstreu.

Am Nachmittag um fünf Uhr verließen die Dachdecker wieder den Ort des lauten Geschehens und ich holte Rosso aus der Badewanne.

“Sie sind weg, Rosinchen”, sagte ich. Er zweifelte, tippelte aber vorsichtig zur Terrassentür und überprüfte meine Aussage.

Tatsächlich! Die Krachmacher waren weg, und Rosso musste sein Revier untersuchen.

Dort sah es völlig anders aus als am Tag zuvor. Das war Rosso nicht geheuer, und er versteckte sich im Schlafzimmer unter einer vom Bett runterhängenden Decke.

Fortsetzung folgt

Rosso im Psychostress

Auf dem Foto oben war die Welt noch in Ordnung …

Was Rosso zur Zeit durchmacht, versteht nur, wer den kleinen Angsthasen kennt. Mir gegenüber ist er ja frech wie Oskar, wir schmusen, wir spielen Verstecken und Fangen, wir kuscheln inniglich morgens im Bett, und wenn ich nach Besorgungen nach Hause komme, begrüßt er mich immer mit seinem typischen Gruß: zwei kleine Miauer … ein kurzer und ein längerer.

Doch vor fremden Menschen und vor fremden Geräuschen hat der Rotbär schreckliche Angst. Und seit drei Wochen hört er jeden Wochentag von morgens acht bis nachmittags um fünf fremde Geräusche. Und zwar sehr laute fremde Geräusche. Der Grund: unser Dach wird saniert. Von Grund auf.

Der Krach beginnt
Das Desaster begann am 1. Juli. Am Nachmittag fuhr ein Lastwagen in den Hof, und damit begann der Krach: Rund ums Haus wurde ein Gerüst montiert. Das war bereits mit sehr viel Lärm verbunden. Schon bei den ersten Geräuschen raste Rosso in mein Arbeitszimmer und versteckte sich im Regal.

Drei Stunden später schaute ich mal wieder ins Regal, um ihm gut zuzureden, doch er war verschwunden. Ich suchte ihn und entdeckte ihn in der Badewanne. Dort hockte er – mit eingezogenem Kopf und zitterte. Damit er es wenigstens etwas warm hatte, breitete ich ein Badetuch für ihn aus. Er legte sich darauf und verbrachte den Nachmittag dann in der Badwanne, wo er auch heute noch an jedem Wochentag liegt. Die Badewanne ist momentan sein Refugium.

Als die Handwerker dann am späten Nachmittag weg waren, hob ich den kleinen Kerl aus der Wanne und trug ihn nach draußen, auf die Terrasse. Zu seinem großen Erstaunen sah es dort völlig anders aus als sonst …

Fortsetzung folgt

ICH WILL FUTTER!

Mit diesem Gesichsausdruck sitzt Rosso mehrmals am Tag auf meinem Schreibtisch, stupst mir die rechte Pfote auf die Schulter oder ins Gesicht, und ich weiß genau, was das bedeutet: Los, hol das Futterdöschen aus dem Regal … und öffne es!

Fünf Jahre Glückskater

Am 7. Juni 2015 trat mein roter Glückskater in mein Leben. Konkret gesagt trat er nicht, sondern ich habe ihn aus seinem “Laufstall” auf der Wiese geholt und mich mit dem winzigen Kerlchen auf einen Liegestuhl gelegt. Er war so klein, dass er bequem in meine beiden Hände passte.

Also ich lag auf dem Liegestuhl, und Rosso lag auf meiner Brust. Dort lag er ungefähr eine halbe Stunde, dann war klar, dass er keine Angst vor mir hatte, und die Adoption wurde schriftlich fixiert.

Danach habe ich ihn in den Katzenkorb gelegt und bin mit ihm nach Hause gefahren. Unterwegs hat er keinen Pieps von sich gegeben, sondern sich unter dem Handtuch verkrochen.

Zuhause angekommen, hat er neugierig sofort die ganze Wohnung untersucht und abends war er so erschöpft, dass er erstmal eine Weile schlafen musste.

Seitdem lebt mein Glückskeks bei mir, und ich liebe ihn sehr. Er liebt mich auch, das merke ich jeden Tag, wenn er meine Nähe sucht und von mir gestreichelt werden möchte.

Rosso, mein geliebter Liebling – du füllst mein Leben mit Glück! Und deshalb bist du ein Glückskater für mich.

Giacometti

Foto: Janine Berg-Peer

Das ist der schöne und flauschige Giacometti – an seinem Lieblingsplatz. Wo Katzen gern liegen – da kann ich mich immer nur wundern. In diesem Zusammenhang denke ich an meine geliebte Lili.

Und auch Rosso hat es gern kuschelig.

Straßenbekanntschaft

Dieser hübsche Kerl ist mir vor ein paar Tagen begegnet. Ich war für ein Fotoprojekt unterwegs, als er mitten auf der Straße (verkehrsruhiges Wohngebiet) saß und mich misstrauisch anschaute.

Da ich ja die Kamera dabei hatte, nutzte ich die Gelegenheit, ihn auf den Chip zu bannen.

Wie man sehen kann, wich das Misstrauen schnell und er rollte genüsslich auf der Straße herum.

Besuch vom Nachbarkater

Herrn Martl habe ich schon länger nicht mehr gesehen. Es gibt ja keine Katzenleiter mehr bei uns, und so begegne ich ihm ab und zu auf der Straße.

Aber gestern hörte ich Rosso aufgeregt auf dem Balkon miauen. Aha, da scheint entweder die rote Katze mal wieder vorbei zu pirschen, dachte ich und ging der Sache auf den Grund. Rosso stand vor den Holzlatten und peilte mit peitschendem Schwanz nach unten und miaute nach wie vor höchst erregt.

Also beugte ich mich übers Geländer und schaute nach unten. Und wer stand da auf dem Hof und schaute interessiert nach oben? Der Herr Martl.

Da musste ich aber schnell die Kamera holen und hoffte, dass der hübsche Kerl noch da war.

Er war noch da, guckte eine Weile freundlich zu uns herauf und machte sich dann wieder aus dem Staub.

Aber nicht bevor, er einen Gruß hinterlassen hatte.

Dann tippelte er die Treppe hoch, und schon war Herr Martl wieder weg.

Sammy, der Nachbarkater

Oft sehe ich ihn nicht, Sammy, den Nachbarkater. Doch gestern ließ er sich mal wieder blicken, das heißt, er lümmelte bei uns im Hof herum. Ich holte schnell die Kamera, aber da machte er sich bereits wieder aus dem Staub.

Kaum hatte ich ihn auf den Chip gebannt, kroch er auch durch die Hecke und war verschwunden.

Magenpflege

Jeden Morgen vor dem Frühstück tippelt Rosso auf der Terrasse zu einem der Blumentöpfe, um Gras zu knabbern.

Gras hilft bei der Verdauung. Denn bei Zeiten des Fellwechsels kommt es größere Mengen an Katzenhaaren im Magen. Grund: die abgestorbenen Haare, die die Katze mit ihrer rauen Zunge abschleckt und runterschluckt. Im Magen bilden sie Haarballen, die eine Größe erreichen können, in der sie nur noch schwer ausgeschieden werden können. In so einem Fall ist es das beste, sie wieder hervorzuwürgen. Genau das wird mit der Aufnahme von Gras unterstützt. Die Inhaltsstoffe des schwer zu verdauenden Grünzeugs ruft einen Brechreiz hervor – der Haarballen wird zusammen mit dem Gras rausgewürgt.

Rausgewürgte Haarballen habe ich bei meinem Rotling zwar noch nicht gesehen, trotzdem frisst er mit Begeisterung Gras.

Das speziell für ihn gekaufte Katzengras interessiert ihn allerdings weniger. Nur manchmal beißt er daran herum.

Zusätzlich gebe ich ihm noch zwei- dreimal die Woche eine Malzpaste, die verhindern soll, dass Haarballen im Magen entstehen.

Außerdem bürste ich Rosso regelmäßig und ziehe mit dem Flohkamm ausgegangene Unterwolle aus dem Fell.