Sommerfrische – Nr. 1

Meine Nachbarin hat ein Foto gemailt: Herr Schwarzbär am Pool.

moritz-am-pool

Foto: Edith Kleine-Albers

Ich habe meine Nachbarin gefragt, ob im “Pool” auch Goldfische schwimmen. Nein, keine Goldfische! Dann frage ich mich, wo Moritz den Goldfisch geangelt hat, dessen Kopf ich neulich unterm Sofa gefunden habe …

Geliebte Lili

meine geliebte Lili

Drei Jahre ist es her. Es war ein genauso heißer Tag wie heute, als ich Lili auf die Reise über den Regenbogen geschickt habe. Es war ein sehr langer Abschied, ein Jahr hat er gedauert. Und bis zuletzt habe ich gehofft, dass Lilis Herz von allein aufhört zu schlagen.

Ich habe sie seit Ende Mai 2014 mit Argusaugen beobachtet. Habe viele bange Tage und Nächte mit ihr verbracht. Habe in meinem Arbeitszimmer auf einer Luftmatratze und auf dem Sofa geschlafen, nur um sie nicht allein zu lassen. Denn in mein Bett kam sie in den letzten Wochen nicht mehr. Aufs Sofa und ins Arbeitszimmer hingegen schon …

Als ich dann am 4. Juni 2015 gemerkt habe, dass es ihr sichtbar schlecht geht, habe ich die Tierärztin angerufen. Ich war schon länger mit ihr in Kontakt, und wir waren uns einig, dass Lili so lange leben darf, wie es ihr noch einigermaßen gut geht.

Aber am 4. Juni ging es ihr plötzlich nicht mehr gut. Das habe ich gesehen und gespürt. Ich kannte jedes kleine Detail von Lili … unsere Seelen waren eng miteinander verbunden.

adieu lili

Einen Tag später habe ich Lili das letzte Mal in den Armen gehalten. Schnurrend ist sie in die andere Welt geschwebt.

Und jetzt laufen mir wieder die Tränen über die Wangen. Lili, mein geliebter Liebling, du warst eine einzigartige Katze. Ich vermisse dich. Und werde es immer tun.

So ist es mit der Liebe

Rosso liegt gern in meiner Nähe auf meinem – Gott sei Dank – großen Schreibtisch. Ich habe extra für ihn eine kuschelig-weiche Schlafdecke hingelegt (mit Katzenmotiv natürlich). Dort liegt er auch gern. Aber genauso gern liegt er direkt vor mir. Also zwischen mir und Tastatur.

roter Kater auf dem Schreibtisch

WIE und WO soll Frau da arbeiten?

Neue Futtersorten bei Yarrah

Über Yarrah habe ich vor vier Jahren schon geschrieben … anlässlich eines traurigen Umstandes: Meine Lili war sehr krank. Seit drei Jahren lebt Lili nicht mehr … würdiger Nachfolger ist Rosso, auch Rosinchen genannt.

Nun habe ich vor einigen Tagen wieder Post von Yarrah bekommen. Denn sie haben eine neue Futtersorte: YARRAH – Bio-Organic Pet Food. Und mir bzw. meinen pelzigen Untermietern wurde angeboten, das Futter zu testen.

Ich habe meine pelzigen Untermieter gefragt. Ergebnis: Her mit dem Futter! Wenige Tage später drückte mit der Postbote einen Karton in die Hand. Rosso war natürlich sofort zur Stelle und prüfte den Posteingang.

katzenfutter von Yarrah

Der Schwarze hatte wohl einen guten Riecher, denn obwohl er normalerweise stundenlang draußen rumstromert und sich selten sehen lässt, kam er auch gleich angetippelt, und gemeinsam wurde dann der Paketinhalt getestet. Zuerst war das Trockenfutter an der Reihe und hat sehr gemundet.


Dann habe ich ein Schälchen Feuchtfutter aufgemacht. Auch das uneingeschränkt die Zustimmung der beiden.


Dann kam auch noch Lieschen und hat sich an dem Test beteiligt.


Ergebnis: Die neuen Futtersorten von Yarrah haben den Test bestanden.

Das Trocken- und Nassfutter gibt es in verschiedenen Geschmackssorten – für junge Katzen, erwachsene Katzen und Senioren und enthält auch folgende Inhaltsstoffe: Baobab, Brennnessel, Meeresalge, Kokosnussöl, Spirulina, Teufelskralle.

Mehr Informationen gibt es direkt bei Yarrah.

Die Sache mit der Maus

Wie viele Mäuse ich schon gerettet habe, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es sehr viele waren. Vor ein genau einer Woche war es mal wieder soweit. Mitten in der Nacht die typischen Beutegeräusche von Moritz. Er muss nämlich immer laut verkünden, dass er was gefangen hat …

Also, ich aufgestanden und die Treppe ins Wohnzimmer runter getappt. Moritz hockte vor dem Sofa, Rosso daneben. Zwischen den beiden tippelte eine Maus hin und her. Bevor sie in Richtung Sideboard tippelte und dann dahinter verschwand, habe ich beherzt nach ihr gegriffen und sie auch tatsächlich fangen können. Normalerweise fange ich Mäuse erst, indem ich ein kleines Frotteetüchlein über sie geworfen habe … aber dazu war keine Zeit.

Der Maus gefiel das gar nicht. Na ja, sie konnte nicht ahnen, dass ich sie retten wollte.

Auf alle Fälle hat die Maus mich gebissen. Und das gleich zweimal. Einmal in den Zeigefinger und einmal in die Hand. Der Biss in die Hand hat gleich geblutet, und zwar ziemlich stark. Das Blut tropfte auf die Treppe im Hausflur – auf meinem Weg in den Garten, wo ich die Maus dann frei ließ.

Das Blut habe ich abgetupft und bin dann wieder ins Bett gegangen.

Am nächsten Morgen waren Hand und Finger etwas geschwollen, ich bin aber nicht zum Arzt gegangen.

Das war vielleicht ein Fehler, denn am Samstag bin ich aufgewacht, und mein Zeigefinger tat sehr weh und war sehr angeschwollen. Der vier Tage alte Biss (!) hat sich plötzlich entzündet, denn die Stelle war nicht nur rot, sondern zeigte auch zwei gelbe Stellen. Eiter! Dran rum gedrückt. Nichts. Ich eine Stecknadel geholt und reingestochen und gedrückt. Viel kam nicht raus, aber die Stelle war nun offen.

Danach ein Seifenlaugebad gemacht und anschließend den Finger mit Calendulatinktur beträufelt. Damit die Oberfläche der Entzündung nicht eintrocknet, habe ich noch Calendula-Salbe drauf getupft und ein Pflaster drauf geklebt.

Am Abend war der Finger noch genauso dick wie am Vormittag. Ich also den Finger wieder in Seifenlauge gebadet, und dann kam ich auf eine prima Idee. Vor einiger Zeit hat mir ein Arzt nämlich eine “Wundersalbe” verschrieben. “Pyolysin-Salbe” mit speziellen Wirkstoffen gegen Entzündungen. Angeblich wirken da Bakterien gegen Bakterien (meine laienhafte Wiedergabe).

Also die Salbe auf die Entzündung, dann ein Pflaster drauf.

Am nächsten Morgen tat der Finger nicht mehr weh und war auch ein bisschen abgeschwollen.Heute – drei Tage später – ist fast alles wieder gut. Nur die Bissstellen sind noch rot.

In Zukunft werde ich Mäuse nur noch mit Frotteetuch fangen. Denn nicht alle Mäuse sind so zutraulich wie diese hier.

maus gerettet

Nachsatz: Bekam eben einen Tipp in einer Katzengruppe, wo ich dieses Erlebnis auch veröffentlicht habe. Nun habe ich mir eine Lebendfalle bestellt. Da muss ich auch nicht mehr Regale rücken. Das musste ich vergangene Woche nämlich auch – natürlich wieder mitten in der Nacht. Ich werde davon berichten …

Noch ein Nachsatz: In derselben Gruppe wurde ich noch darauf hingewiesen, dass ich mich gut beobachten solle – Mäusebisse können Hantaviren übertragen! Wusste ich nicht … Die Inkubationszeit dauert 2–4 Wochen!

Putzel ist weg

KatzeDer Abend, an dem das Verhängnis seinen Lauf nahm, fing harmlos an. Ich saß mit Richard beim Chinesen um die Ecke und ließ mir meine Leibspeise schmecken: Pekingente. Die kleinen Fleischstücke waren genauso wie sie sein mussten: außen knusprig, innen weich und zart. Auch der Sake war lecker, alles in allem war ich bester Laune.

Dann sagte Richard plötzlich: »Katzen in der Wohnung zu halten ist Freiheitsberaubung.«

Ich ließ das Entenstückchen, das ich mit zwei Stäbchen gerade in Richtung Mund balancierte, fallen und schaute Richard entgeistert an.

»Wie meinst du das?«, fragte ich.

»So wie ich’s sage«, antwortete er.

»Sie können doch aufs Dach«, entgegnete ich.

»Auf dem Dach gibt’s aber keine Mäuse.«

»Das ist mir grade recht«, murmelte ich.

»Den Katzen aber nicht«, sagte Richard, »es liegt in ihrer Natur Mäuse zu fangen, ob’s dir recht ist oder nicht.«

»Draußen ist es aber gefährlich. Autos … Tierfänger.«

»Das ganze Leben ist gefährlich« grinste Richard, »und angeblich sollen auch schon Menschen unters Auto gekommen sein.«

»Ach«, ich warf ihm einen verärgerten Blick zu, »das kann man doch gar nicht vergleichen!«

»Doch, das kann man sehr gut vergleichen«, meinte er in seiner besserwisserischen Art.

»Katzen sind es gewohnt, in einer Wohnung zu leben«, sagte ich.

»Nein, Katzen sind es gewohnt, draußen rum zu laufen«, entgegnete Richard. »Sie in die Wohnung zu sperren ist Tierquälerei.«

»So ein Quatsch! Ich quäle meine Katzen nicht, sondern sorge dafür, dass es ihnen gut geht.«

»Katzen geht es gut, wenn sie frei sind, und nicht, wenn sie in einem Käfig leben«, sagte Richard.

»Es besteht doch wohl ein kleiner Unterschied zwischen einem Käfig und einer geräumigen Wohnung«, sagte ich.

»Wie würde es dir wohl gefallen, dein Leben lang in einer Wohnung eingesperrt zu sein?« sagte Richard. »Egal, wie groß sie ist.«

»Und, was sollen wir machen – deiner Meinung nach? Die Katzen raus lassen?«

»Genau!«

»Kommt nicht in Frage!« Ich griff zum Sakeschälchen.

»Und warum nicht?«

»Weil ich nicht will, dass ihnen was passiert!« Ich leerte das Schälchen in einem Zug.

»Sie sollen also in der Wohnung verkümmern?«

Allmählich wurde ich wütend. »Sie verkümmern nicht«, gab ich zurück, »im Gegenteil … sie fühlen sich sehr wohl!«

»Draußen würden sie sich besser fühlen.«

Die immer hitziger werdende Diskussion im Detail nachzuzeichnen, ist nicht notwendig. Relevant ist das Ergebnis, und ich weiß nicht, ob es an Richards Rhetorik lag oder am Sake, und letztendlich ist das auch egal, denn irgendwann sagte ich entnervt:

»Also gut, wenn du darauf bestehst, lassen wir sie eben raus.« Ich atmete tief durch und warf ihm einen bösen Blick zu. »Und wenn ihnen was passiert, bist du schuld.«

»Klar«, sagte Richard und grinste zufrieden, »ich übernehme die volle Verantwortung!« Er hob die Hand zum Schwur, und ich bestellte noch einen Sake.

Eine Stunde später schaute ich wortlos zu, wie Richard erst die Wohnungstür und dann die Haustür öffnete. Es dauerte nur wenige Sekunden, und die Katzen waren dort, wo Richard sie haben wollte: draußen. Schnuffi schien auf die Freilassung förmlich gewartet zu haben. Schnurstracks tippelte sie um die Hausecke und verschwand in Richtung Garten. Mucki schnupperte erst an einem Strauch vor der Haustür und verschwand dann um die andere Ecke. Putzel dagegen stand unschlüssig auf dem Gehsteig, schnupperte an der Hinterlassenschaft eines Hundes, tippelte ein paar Schritte hin und her, kam wieder zurück, rieb sich an meinem Bein und schien auf Anweisungen zu warten.

Richard und ich gingen ums Haus herum, Putzel folgte uns. Im Garten angelangt, wusste er immer noch nicht so recht, was er tun sollte, nahm dann aber einen kleinen Anlauf und sprang kurz entschlossen über den Zaun in den Nachbargarten. Weg war er. Ich warf Richard einen vorwurfsvollen Blick zu und ging wortlos nach oben.

»Du wirst schon sehen – morgen früh sind alle drei wieder da«, sagte Richard beim Zähneputzen und tätschelte mir den Po.

»Lass das«, fauchte ich und ging schlafen. Als er mir einen Gutenachtkuss geben wollte, drehte ich den Kopf weg.

Am nächsten Morgen, nach einer sehr schlechten Nacht, eilte ich nach unten. Keine Katze weit und breit. Genau was ich befürchtet hatte. Wieso hatte ich nur zugestimmt, die Katzen raus zu lassen? Ich hätte mich ohrfeigen können. Ohne große Hoffnung ging ich nach hinten in den Garten und pfiff, aber außer ein paar Blättern im Wind bewegte sich nichts. Ich rief leise ihre Namen, keine Reaktion. Resigniert wollte ich schon umdrehen, als ich plötzlich ein Rascheln hörte und Putzel unter einem Gebüsch hervor kam, Mucki im Schlepptau. Fidel sprangen die beiden auf mich zu. Von Schnuffi allerdings keine Spur.

»Siehst du«, sagte Richard zufrieden und beschmierte sein Frühstücksbrötchen dick mit Marmelade.

»Und wo ist Schnuffi?«

»Die kommt schon noch«, meinte er und biss genüsslich ein Stück vom Brötchen ab.
Schnuffi tauchte tatsächlich auf. Ein paar Stunden später stand sie vor der Tür und schien sehr hungrig zu sein, denn sie fraß doppelt so viel wie normal.

Nach wenigen Wochen hatten sich alle an den neuen Ablauf gewöhnt. Tagsüber hielten die Katzen sich schlafend in der Wohnung auf, nachts strawanzten sie, morgens standen sie vor der Haustür oder waren zumindest in der Nähe. Wenn sie mich pfeifen hörten, kamen sie angerannt. Wobei das nicht ganz richtig ist. Schnuffi, mit der Mucki sich immer noch nicht vertrug, nutzte die neue Freiheit, um sich ein alternatives Zuhause zu suchen.

Das fand sie ganz in der Nähe, bei einem älteren Ehepaar auf der anderen Straßenseite. Die beiden sprachen mich eines Tages an und meinten, unsere Katze läge nachts immer bei ihnen auf dem Sofa, und sie brächten es nicht übers Herz, sie raus zu jagen. Wir redeten eine Weile miteinander, und dann machten sie mir das Angebot, Schnuffi bei sich aufzunehmen. Weil das für alle Beteiligten die beste Lösung war, erklärten Richard und ich uns damit einverstanden. Begegnete ich ihr hin und wieder auf der Straße, blieb sie manchmal stehen und ließ sie sich streicheln, meistens aber tippelte sie an mir vorbei, als sei ich eine Fremde.

Eines Morgens saß Mucki wie gewohnt in Nähe der Haustür, Putzel aber nicht. Ich ging in den Garten und pfiff. Nichts! Ich ging ums Haus herum. Wieder nichts. Ich ging um den Block. Immer noch nichts. Wo steckte er nur?

»Der kommt schon wieder«, meinte Richard.

»Das ist aber nicht normal«, sagte ich, »er war sonst jeden Morgen da.«

»Nun ist er halt mal nicht da«, meinte Richard, »kein Grund hysterisch zu werden.«

»Da stimmt was nicht«, sagte ich und hatte kein gutes Gefühl.

Jede halbe Stunde ging ich nach unten und drehte meine Runden. Vergeblich. Am späten Vormittag machte ich mich auf den Weg ins Untergeschoss. Vielleicht hatte er es irgendwie geschafft, in den Keller zu gelangen. Ich schloss die Tür auf, schaute durch die Holzlatten in jede staubige Ecke. Nichts. Ich warf meinen Blick in die Waschküche und den Trockenraum. Nichts. Doch plötzlich, auf dem Weg zur Tiefgarage, glaubte ich ein leises Miauen zu vernehmen. Wie angewurzelt blieb ich stehen, lauschte, hörte aber nichts mehr. Na ja, Wunschdenken … Doch dann war es plötzlich wieder da, das Miauen. Leise und verhalten drang es durch die Stahltür eines unbenutzten Kellerraumes. Ich drückte die Klinke runter, die Tür war verschlossen. Ich legte mein Ohr an den Stahl, pfiff und bekam umgehend Antwort. Mir lief das Herz über vor Freude.

Ich hastete nach oben und rief den Hausmeister an. Der sei unterwegs, meinte seine Frau. Wann er denn zurückkäme, fragte ich. Das wisse sie nicht, sagte die Frau. Mist! Aber besser ein eingeschlossener Kater als ein verschwundener.

Fünf ewig sich dahin ziehende Stunden später kam der Hausmeister endlich und schloss die Tür auf. Den Anblick des kleinen Katers werde ich nie vergessen. Völlig verstört hockte er neben einer Drahtzaunrolle und schien die Welt nicht mehr zu verstehen. Ich lief auf ihn zu und hob ihn hoch. Schnurrend schmiegte er sein Köpfchen an meine Wange, überglücklich trug ich ihn nach oben.

Wie er in diesen Kellerraum gelangen konnte? Das war ganz einfach nachzuvollziehen. Bei einem seiner Erkundungsgänge hatte er im Lichtschacht das schräg stehende Souterrainfenster entdeckt, sich durch gezwängt und war nach unten gesprungen. Ein Zurück gab es nicht mehr, das Fenster lag zu hoch. Um eine Wiederholung zu verhindern, habe ich es geschlossen.

In den nächsten Wochen war alles in Ordnung. Doch dann saß Mucki wieder allein vor der Tür. Ich eilte nach hinten in den Garten, wahrscheinlich hatte der doofe Hausmeister das Fenster wieder geöffnet. Das Fenster war zu.

Wieder suchte ich nach meinem Kater, den ganzen Tag lang, in regelmäßigen Abständen. Lief um den Block, fuhr mit dem Fahrrad rufend und pfeifend durchs Viertel. Von Putzel keine Spur.

»Der kommt schon«, meinte Richard, »treibt sich wahrscheinlich mit Weibern rum.« Er grinste einfältig.

»Blödmann«, sagte ich und hätte ihm eine scheuern können.

Am Abend war Putzel immer noch nicht da. Auch am nächsten Morgen nicht, auch nicht am nächsten Abend. So ging es Tag für Tag. Ich rief die Polizei an und fragte nach einer überfahrenen Katze. Hätte ich erfahren, dass er tot ist, wäre ich sehr traurig gewesen, aber ich hätte es wenigstens gewusst. So aber wusste ich gar nichts und stellte mir meinen Kater vor, eingeschlossen, ohne Futter, ohne Wasser. Immer wieder hatte ich das Bild vor Augen, als er so hilflos im Keller neben der Drahtrolle hockte. Mir liefen die Tränen runter. Ich sah ihn vor mir, mit Elektroden am Kopf im Käfig einer Versuchsanstalt und fand Telefonnummern von Tierfängern heraus. Diese unwürdigen Kreaturen waren erstaunlich umgänglich, aber einen rot getigerten Kater hatten sie nicht. Sagten sie zumindest. Auch meine Anrufe bei den Versuchslaboren brachten kein Ergebnis. Mir war schlecht vor Sorge.

KatzenbuchSchließlich gab ich Suchanzeigen in verschiedenen Zeitungen auf. Nichts! Ich heftete Suchzettel mit Foto von Putzel an Bäume und an die Pinnwände umliegender Läden. Nichts! Ich fragte jeden Menschen, der mir auf den Straßen im Stadtviertel begegnete, nach einem rot getigerten Kater. Nichts!

Auch die Kinder-Detektive Pasing, die ihre Hilfe anboten, Haus für Haus abklapperten und nach einer zugelaufenen oder in einem Keller oder Schuppen eingeschlossenen Katze fragten, konnten keinen Erfolg vermelden.

Putzel tauchte nie wieder auf.
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Die Geschichte ist aus meinem Buch: Auf leisen Sohlen

Die Katze ist ein Kater

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Streng genommen gehörte meine erste Katze nicht mir, sondern Richard, meinem Mann. Ich habe sie ihm geschenkt. Weil er immer wieder von Katzen schwärmte, beschloss ich eines Tages, ihn zu überraschen und fuhr in den Münchner Osten, zum Tierheim.

Irgendwie herrschte dort eine gedrückte Atmosphäre. Schon auf dem Parkplatz lag ein strenger Geruch in der Luft. Eine Mischung von Exkrementen und Ausdunstungen heimatloser Wesen, die ihrer Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit traurigen Lauten Ausdruck gaben. Entschlossen betrat ich das Gebäude. Wenigstens ein Tier sollte nicht vergebens hoffen und heute ein Zuhause finden.

Hinter einer Glasscheibe am Empfang saß eine dicke Frau und fragte mich nach meinem Anliegen.

»Ich hätte gern eine Katze«, sagte ich.

»Katzen haben wir mehr als genug«, meinte die Frau. Sie erhob sich schwerfällig von ihrem Stuhl, zog einen Karton aus dem Regal und watschelte vor mir her, zur Katzenabteilung, wo in aufeinander gestapelten Drahtkäfigen Tiere unterschiedlichster Rassen und Altersstufen hockten und mir misstrauische und verängstigte Blicke zuwarfen.

Eigentlich hatte ich an ein Katzenbaby gedacht, winzig und flauschig. So eines konnte ich hier aber nicht entdecken. Wo denn die jungen Kätzchen seien, wollte ich gerade fragen, als ich wie angewurzelt stehen blieb. Aus einem der oberen Käfige schaute mich eine rot getigerte Katze an. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen hatte sie sich nicht in eine der hinteren Ecke verdrückt, sondern saß vorn, direkt an der Tür. Sie wirkte auch nicht misstrauisch oder verängstigt, sondern zutraulich und auf gewisse Weise selbstbewusst. Ihre großen Augen leuchteten bernsteinfarben und hatten einen geheimnisvollen, tiefgründigen, fast schon hypnotisierenden Ausdruck. Fasziniert schaute ich die Katze an und steckte meinen Finger durch das Gitter. Die Katze schnupperte und rieb ihren Kopf daran.

Von diesem Moment an gab es nichts mehr zu überlegen.

»Die Katze nehm ich«, sagte ich.

»Das ist keine Katze, sondern ein Kater«, sagte die dicke Frau.

»Macht nix, ich nehm sie trotzdem«, sagte ich.

Die Frau öffnete die Käfigtür, packte das Tier mit routiniertem Griff am Schlafittchen und verstaute es in dem Karton.

Nachdem die Formalitäten erledigt waren und ich dreißig Mark für die Sterilisation des Katers bezahlt hatte, bekam ich ihn ausgehändigt und ein paar Dosen Futter geschenkt (Werbe-Aktion eines Katzenfutter-Produzenten).

In ein paar Monaten käme übrigens jemand vorbei, um sich zu vergewissern, dass es dem Tier gut gehe, meinte die Frau, als ich gerade im Begriff war zu gehen.

»Wozu das denn«, wollte ich wissen.

»Ach, Sie haben ja keine Ahnung, was manche Menschen mit Tieren so alles anstellen«, sagte die Frau und rollte bedeutungsvoll mit den Augen. Am liebsten hätte sie sich jetzt in der Schilderung unschöner Details ergangen. Das war ihr deutlich anzusehen. Ich verzichtete aber darauf. Vor einiger Zeit hatte ich nämlich gelesen, dass eine Frau als Strafe für eine runter geworfene Vase ihre Katze in der Waschmaschine gewaschen hatte. Das malträtierte Tier hatte so laut geschrien, dass eine Nachbarin die Polizei verständigt hatte. Ich hatte also sehr wohl Ahnung, was manche Menschen mit Tieren so alles anstellen.

»Schicken Sie ruhig jemanden vorbei«, meinte ich und stupste meinem Neuerwerb zärtlich die rosarote Nase, die er durchs Korbgitter steckte. »Bei uns wird er es gut haben!«

Zuhause angekommen, lüpfte ich den Kartondeckel. Mit großen Augen schaute der Kater um sich, hüpfte dann heraus und trippelte guter Dinge durch die Wohnung. Krabbelte unter das Sofa und kam mit Staubflusen zwischen den Schnurrhaaren wieder hervor. Hopste auf Stühle und Tische, sprang in der Küche auf die Anrichte, wanderte auf meinen Schreibtisch zwischen Ordnern und Papieren umher und schlängelte sich durch die Blumentöpfe auf der Fensterbank. Nach ungefähr einer Stunde schien er sein neues Domizil hinreichend inspiziert zu haben, denn er sprang auf meinen Schoß, ringelte sich dort ein und schnurrte mit vertrauensvoll geschlossenen Augen. Während ich sein flauschiges Fell streichelte, malte ich mir das überraschte Gesicht meines Mannes aus und grinste.

»Kannst du mir ein Ei borgen?«, fragte Ursula, meine Nachbarin, eine Weile später.

»Na klar. Komm rein», sagte ich und winkte Ursula ins Wohnzimmer, »wir trinken erst mal einen Kaffee.«

Drinnen angekommen entdeckte Ursula den Kater und stieß einen Schrei aus. »Mein Gott, was ist denn das?«

»Eine Schildkröte», sagte ich, »sieht doch ein Blinder.«

»Seit wann habt ihr denn ’ne Katze?«

»Seit heute.«

Ursula bückte sich und streichelte dem Kater, der sich an ihren Knöcheln rieb, das Fell.

»Mein Gott, ist die hübsch … wie heißt sie denn?«

»Sie ist ein er und hat noch keinen Namen», sagte ich, »den werden wir uns heute Abend ausdenken, wenn Richard zu Hause ist.«

Ursula legte sich der Länge nach auf dem Fußboden und und ließ eine Walnuss über den Fußboden kullern. Übermütig sprang der Kater hinterher.

Ich ging in die Küche. »Richard hat übrigens keine Ahnung von dem Familienzuwachs«, rief ich.

»Dann wird er ja Augen machen.», meinte Ursula.

»Na, das hoff ich doch.« Ich grinste, füllte Kaffee in die Tassen und trug sie ins Wohnzimmer. »Apropos, da kommt mir ’ne prima Idee. Hör mal zu …«

»Hallo Ursula, wie geht’s denn so?» fragte Richard und schmiss seine Aktenmappe auf einen Stuhl. Er küsste Ursula die Wange, tätschelte mir den Po und ging zur Hausbar, um sich den allabendlichen Martini zu mixen.

»Wollt ihr auch einen?», fragte er und klapperte mit den Eiswürfeln.

»Klar«, sagten Ursula und ich wie aus einem Mund und grinsten uns verschwörerisch an.

Richard schüttelte gerade den Mixbecher, als er inne hielt.

»Guck mal», sagte er verblüfft, »da ist ’ne Katze.«

»Eine Katze?«, fragte ich scheinheilig. »Wo?«

»Na da.« Er deutete mit dem Mixbecher in Richtung Terrasse. Mit erhobenem Schwanz stand der Kater auf der Schwelle.

»Ach die«, sagte ich lässig, »die gehört Ursula.«

»Ja, die gehört mir«, versicherte Ursula.

»Seit wann hast du denn ’ne Katze«, sagte Richard, ging in die Hocke und scharrte mit den Fingernägeln auf dem Teppich herum.

»Na, komm doch mal her!«

Prompt tippelte der Kater auf ihn zu. Richard legte sich auf den Rücken, der Kater sprang auf seinen Bauch und machte den Milchtritt. Richard lächelte glücklich.

»Ist doch nett von Ursula, uns ihre Katze für eine Nacht zu überlassen«, sagte Richard.

Es war kurz vor Mitternacht, und wir lagen im Bett. Zwischen uns lag der Kater und ließ sich von Richard den Bauch kraulen.

»Ja, das ist wirklich nett«, sagte ich.

»Morgen fahren wir ins Tierheim und holen uns auch eine«, sagte Richard und knipste die Nachttischlampe aus.

»Das ist eine sehr gute Idee», sagte ich und grinste in die Dunkelheit.

KatzenbuchAm nächsten Morgen beim Frühstück beichtete ich die kleine Schwindelei. Der Kater saß auf dem Stuhl neben Richard.
»Mich so zu veräppeln«, grinste Richard, drohte mit dem Finger und steckte ihn dann in sein weich gekochtes Ei. Mit Eigelb überzogen hielt er ihn dem Kater vor die Nase, der ihn ableckte.

»Ach, ist der ist putzig«, sagte Richard und steckte seinen Finger wieder ins Eigelb. »Wie sollen wir ihn eigentlich nennen?« fragte er dann.

»Putzel«, sagte ich, und so nannten wir ihn dann auch.


Die Geschichte stammt aus meinem ersten Katzenbuch: Auf leisen Sohlen

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