Alle Artikel von Renate

Das neue Kratz-, Spiel-, Fummelbrett

Vor wenigen Tagen bekamen Rosso und ich das Angebot, ein Kratz-Spiel-Fummelbrett der Firma Canadiancat-Company zu testen. Da haben wir natürlich Ja gesagt.

Gestern nun kam der Postbote – mit einem großen Paket in der Hand. Herr Rosso war sehr neugierig und musste das Paket umgehend begutachten.

Dann wurde ausgepackt und alles untersucht.

Dann war SOFORT Krallenpflege angesagt. Ausgiebig.

Nach vollführter Krallenpflege habe ich ein paar Futterkörnchen im Kratzbrett versteckt. Die hat der rote Racker natürlich sofort erschnüffelt.

Dann hat er sich auf dem Kratzbrett bequem gemacht, ein bisschen darauf rumgelümmel und entspannt.

Nochmal nach Futter suchen, dann ein bisschen Körperpflege und schließlich die Frage: Was kommt jetzt?

Die mitgelieferte und ins Kratzbrett gestreute Katzenminze hat Herrn Rosso übrigens nicht interessiert … werde ich heute mit den Staubsauger wieder raussaugen. Bröselt nur rum … das Zeug.

Die mitgelieferten beiden Spielbälle haben ihn auch nicht sonderlich interessiert. Das Futter war deutlich wichtiger …

Das gesamte Kratzbrett ist aus Karton. Und wie lange die Oberfläche Rossos Krallen standhält, wird sich zeigen. Denn er kratzt darauf herum wie ein Wilder.

Also, wer für seine Katzen auch so ein prima Kratz-, Spiel-, Fummelbrett haben möchte, kann das
bei der Canadiancat-Company.com machen. Die haben so viele von den Dingern, dass sie sie sogar verkaufen …

Neues vom weißen Katzenkönig

Simba hat vor einiger Zeit seiner Dosenöffnerin große Sorgen bereitet. Mehrfach kam er heim mit bösen Verletzungen am Bauch.

Ich kenne das nur allzu gut. Moritz, der leider im Katzenhimmel ist, kam auch öfter heim mit Verletzungen. Meistens hat er sich eine Kralle rausgerissen. Wie er das geschafft hat, ist mir bis heute ein Rätsel.

Wie dem auch sei, Simba geht es gut. Und er macht es sich gern bequem auf dem Sofa von Nadja. Und die freut sich natürlich, wenn ihr weißer Liebling nicht strawanzt. Denn ein kleines bisschen Angst bleibt bei einer Freigängerkatze immer. Die Gefahren draußen lauern einfach. Dagegen kann man als Katzenbesitzer nichts tun – nur sich freuen, wenn der pelzige Liebling regelmäßig und unversehrt nach Hause kommt.

Sir, Sie haben geklingelt?

Meine liebe Freundin Esther musste sich von ihrer Katze verabschieden (Nierenversagen!). Und sie hat genau das Richtige gemacht: Sie hat eine kleine Katze adoptiert, genau gesagt ein Geschwisterpärchen. Hela und Pablo. Beide pechschwarz.

Und wenn die beiden einen kleinen Appetit auf ein Leckerchen verspüren, dann machen sie, wie es sich in vornehmen Haushalten gehört: Sie klingeln.

Hela hat ein bisschen länger gebraucht, bis sie kapiert hat, wie das geht, aber mittlerweile beherrscht sie das Klingeln auch perfekt.

Und hier noch das “High-Five-Spiel”. Sehr gelehrig, das Geschwisterpärchen!

Doppelgänger

Gestern Abend goss ich meine Pflanzen auf dem Balkon und warf dabei einen Blick nach unten in den Hof. Und was sahen meine entzündeten Augen? Rosso!

Doch nur auf den ersten Blick, denn mein Rotling war in der Wohnung, das wusste ich. Und Flügel hat er ja keine, also konnte er nicht unten im Hof stehen.

Wie der Blitz rannte ich in mein Arbeitszimmer, um meine Kamera zu holen – mit der Hoffnung, dass Rossos Doppelgänger sich noch nicht verdünnisiert hatte. Er war noch da!

Sieht er meinem roten Liebling nicht zum Verwechseln ähnlich?

Kein Platz für die Katz?

roter Kater

roter Kater

Mein Schreibtisch ist nun wirklich nicht besonders klein – im Gegenteil. Er ist schätzungsweise 3 Quadratmeter groß. Und nicht auf jedem Zentimeter liegt was, im Gegenteil. Es gibt sehr viel freie Fläche.

Aber wo liegt der Kater? Er quetscht sich mir Vorliebe hinter den Computer … wo es wirklich sehr, sehr eng ist.

Na ja, jedem Tierchen sein Plaisierchen …

Little cat is watching me

roter Kater

Mein Liebling – stets in meiner Nähe. Ich freue mich täglich mehrfach darüber, dass mein roter Racker nicht strawanzt, sondern stets um mich rumwuselt. Das ist nicht nur gut für mein Gemüt, sondern auch für das körperliche Wohlbefinden des Rotlings. Denn was freilaufenden Katzen so alles passieren kann … oh Gott, ich mag gar nicht daran denken, was für Verletzungen, Beutetiere und nicht zuletzt Zecken und Läuse meine Freiläufer nach Hause gebracht haben. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an das Heuschreckenbein, das Moritz im Hals stecken hatte. Was für ein Drama! OP um Mitternacht … Oder an die üble Milbenattacke, die so schlimm war, dass ich aus Sorge um meinen Schwarzbär auch zu später Stunde den Tierarzt aufsuchen musste, weil ich dachte, mein Kater stirbt mir unter den Händen weg.

Natürlich spricht Rosso auch mit mir. Und vorhin hat er gesagt: “Vergiss nicht, ich behalte dich im Auge …”

Rossos neuer Lieblingsplatz

Und schon wieder hat mein Rotling einen neuen Lieblingsplatz: das rote Herz, das ich vor kurzem zum Wasseraufsaugen benutzt habe. Die golfballgroßen Hagelkörner, die am Pfingsmontag hier im Ort alles zerschlagen haben, auch die Pflanzen auf meiner kleinen Terrasse und Balkon, haben nicht nur Grünzeug vernichtet, sondern auch große Löcher ins Dach geschlagen.

Und so hat es ins Dach hineingeregnet, das Wasser hat sich einen Abfluss gesucht und ihn in meinem Dachfensterrahmen im Kleiderzimmer gefunden. Dort lief das Wasser wie aus dem Wasserhahn ins Zimmer. Gott sei Dank habe ich das schnell mitgekriegt und alles, was unter dem Fenster stand, weggeräumt und den pitschnassen Teppichboden mit Badetüchern und eben dem dicken roten Herz aufgesaugt.

Das Herz habe ich dann zum Trocknen auf den Terrassentisch gelegt (erfreulicherweise scheint seit drei Tagen die Sonne), und seit es nahezu trocken ist, hält der Rotbär sein Nickerchen darauf.

Neuer Schlafplatz

katzenplatz

Alle Katzen, die ich hatte, wechselten regelmäßig ihre Schlafplätze. Nach welchen Kriterien sie die aussuchen, ist mir leider nicht bekannt.

Im Winter lag Rosso bevorzugt vor der Heizung im Wohnzimmer – wo ich dann auch ein Kissen für ihn hingelegt habe, damit er er schön weich hat.

Dann hat er neulich ein Kissen unterm Bett entdeckt, auf dem Moritz so gern geschlafen hat.

Vor ein paar Tagen nun habe ich Rosso gesucht wie eine Blöde. Hab an allen mir bekannten Stellen in der Wohnung nachgeschaut. Kein Rosso! Auf dem Dach rannte er auch nicht rum. Wo war der rote Racker nur?

Schließlich habe ich ihn dann entdeckt – denn der gnädige Herr hat ganz offensichtlich wieder einen neuen Lieblingsplatz entdeckt: unter der vom Bett runterhängenden Wolldecke.

Dort versteckt er sich jetzt auch jeden Abend – für unser Ritual. Ich werde darüber noch berichten. Auf alle Fälle lache ich mich jedes Mal schlapp über den kleinen Witzbold. Über keine meiner Katzen habe ich so viel gelacht wie über Rosso – er hat den Schalk im Nacken.

Vier Jahre Glückskater

Am 7. Juni 2015 trat mein roter Glückskater in mein Leben. Konkret gesagt trat er nicht, sondern ich habe ihn aus seinem “Laufstall” auf der Wiese geholt und mich mit dem winzigen Kerlchen auf einen Liegestuhl gelegt. Er war so klein, dass er bequem in meine beiden Hände passte.

Also ich lag auf dem Liegestuhl, und Rosso lag auf meiner Brust. Dort lag er ungefähr eine halbe Stunde, dann war klar, dass er keine Angst vor mir hatte, und die Adoption wurde schriftlich fixiert.

Danach habe ich ihn in den Katzenkorb gelegt und bin mit ihm nach Hause gefahren. Unterwegs hat er keinen Pieps von sich gegeben, sondern sich unter dem Handtuch verkrochen.

Zuhause angekommen, hat er neugierig sofort die ganze Wohnung untersucht und abends war er so erschöpft, dass er erstmal eine Weile schlafen musste.

Seitdem lebt mein Glückskeks bei mir, und ich liebe ihn sehr. Und er mich auch, das merke ich jeden Tag, wenn er meine Nähe sucht und von mir gestreichelt werden möchte.

Katerwünsche

roter Kater

Wenn Rosso einen Vogel sieht, wird er ganz nervös. Vor allem, wenn so eine freche Krähe auf dem Dachfirst hockt. Da macht er sich erst ganz flach, presst seinen Bauch auf die Terrassenbrüstung und schaut in Richtung Krähe.

Dann schleicht er – immer noch ganz flach – auf leisen Sohlen die Brüstung entlang, den Blick stur auf die Krähe gerichtet, und dann rennt er wie der Blitz das Dach rauf.

Bis er oben ist, hat die Krähe sich natürlich längst verdünnisiert …

Mein verrücktes Hühnchen

schildpattkatze

Damit ich mich im Leben besser zurecht finde, versehe ich alles mögliche mit Etiketten: Schuhkartons, Aktenordner, Marmeladegläser, Computerdateien, Fotoalben, CDs und so weiter. Selbst vor anderen Zeitgenossen mache ich nicht halt, und so läuft jeder in meinem Umfeld mit einem imaginären Aufkleber an der Stirn durchs Leben.
Allerdings beschrifte ich nicht nur Mitmenschen, sondern auch meine Katzen. Auf Felix zum Beispiel steht „scheu“, auf Lieschen „launisch“, und Lili habe ich schon bei der ersten Begegnung das Attribut „kess“ verpasst.
Ursprünglich war sie die Katze meiner Nachbarn. Weil sie aber zu den Katzenmüttern gehört, die es nicht verknusen können, wenn ihr Nachwuchs, anstatt eigene Wege zu gehen, nach fünf Monaten immer noch zu Hause rum lungert, hat sie sich eine andere Bleibe gesucht: meine Wohnung. Ich konnte sie vertreiben so oft ich wollte, sie kam wieder. Vorzugsweise nachts, wenn ich schlief. Betrat ich morgens mein Arbeitszimmer, lag Lili auf dem Stuhl an meinem Schreibtisch und schaute mich verschlafen an. Sobald ich mit erhobener Stimme „Lili!“ rief und mit dem Finger drohte, hetzte sie von dannen – um die nächste Nacht prompt wieder auf dem Drehstuhl zu verbringen.
Verhindern konnte ich das nicht, denn wegen Felix und Lieschen musste die Katzenklappe ja offen bleiben.
Irgendwann habe ich mit meiner Nachbarin dann vereinbart, dass Lili bei mir nicht nur übernachten darf, sondern auch was zu Fressen bekommt, und mit Übergabe des Impfpasses wurde sie einige Wochen später ganz offiziell Mitglied meiner ­Fa­milie.
Lili ist ein weiblicher Rabauke und hat vor nichts Angst, weder vor fremden Menschen noch vor Artgenossen und kann aufgrund ihres unerschrockenen Wesens und ihrer ausgelassen-vergnügten Art höchst amüsant sein. Wäre sie ein Mensch, wäre sie bestimmt Clown geworden, oder Komiker. So kann ich mich zum Beispiel ausschütten vor Lachen bei ihren „Anfällen“, bei denen sie aus dem Stand heraus auf hundert beschleunigt und wie der bekloppte Bruder von Mortimer Brewster in dem amerikanischen Film „Arsen und Spitzenhäubchen“ die Treppe hoch rast. Sie erinnern sich? Teddy, so hieß der Bruder, hielt sich für Präsident Roosevelt, blies mit seiner Trompete immer zur Attacke und stürmte dabei wie von der Tarantel gestochen die Treppe rauf.
So macht Lili es auch. Zwar nicht mit Trompete, aber mit diesem merkwürdigen Laut, einem vergnügtem Knurren, ihrem ganz speziellen Ausdruck höchster Lebenslust. Bei solchen Gelegenheiten liegt sie ganz entspannt irgendwo im Wohnzimmer und man könnte denken, sie schläft tief. Doch plötzlich und ohne erkennbaren Anlass setzt sie sich in Bewegung, spurtet wie ein geölter Blitz die Treppe zur Galerie rauf, dreht oben eine Runde und trampelt dann wieder nach unten, wo sie in spontanen Schlaf verfällt – um kurze Zeit später dasselbe Spiel zu beginnen.
Ich konnte diese kesse Mieze zwar von Anfang an gut leiden, doch ein tiefgehen­deres Gefühl, so wie für meine beiden anderen, viel sanfteren Katzen, empfand ich für Lili nicht. Im vergangenen Sommer jedoch hat sich das grundlegend geändert.
Lili hatte mal wieder keinen Appetit. Sie schnupperte zwar an ihrem Futter, rührte es aber nicht an, sondern scharrte es weg. Natürlich scharrte sie es nicht wirklich weg, weil das auf Fliesenboden ja nicht geht. Aber sie machte diese Bewegung, mit der Katzen ihre Hinterlassenschaften unter die Erde buddeln. Und das bedeutet: schnell weg mit diesem ekligen Zeug! Zum ultimativen Test stellte ich ihr Joghurt vor die Nase. Lili ist ganz verrückt nach Joghurt. Normalerweise. Als sie versuchte, auch diesen Leckerbissen weg zu scharren, war mir klar: sie hat wieder Magenprobleme. Ein Jahr zuvor hatte sie dasselbe Verhalten an den Tag gelegt. Gastritis, hatte die Ärztin damals gemeint, und das war auch dieses Mal die Diagnose.
Na ja, dachte ich, da kriegt sie halt wieder Medikamente und alles ist in Ordnung. Ob ich was dagegen hätte, wenn sie Lili Blut abnehmen würde, fragte die Ärztin am Ende der Behandlung. Warum das denn, wollte ich wissen. Zweimal in­nerhalb so kurzer Zeit eine Gastritis, so lautete die Antwort, das sei nicht normal. Lili habe möglicherweise Leukose. Erst mal abwarten ….
Ich fragte nicht weiter nach, und Lilis Blut floss ins Glasröhrchen.
Wieder Zuhause angekommen, war mein erster Gang zum Computer, ich wollte wissen, was Leukose bedeutet. Leukose führt früher oder später zum Tod, las ich dort. Es war, als habe jemand ein Messer in mein Herz gestoßen.
Normalerweise gurrt Lili wie ein Täubchen, wenn ich sie anspreche. Doch jetzt bekam ich als Reaktion nur jämmerliche Piepslaute, und ich hatte Angst um meine kleine Katze. Die Vorstellung, dass sie vielleicht bald sterben könnte, schnürte mir die Kehle zu.
Am nächsten Abend läge das Untersuchungsergebnis vor, hatte die Ärztin gesagt. Ich schlief sehr schlecht diese Nacht, und der nächste Tag schlich so dahin. Um sieben sollte ich anrufen, um halb sieben griff ich zum Hörer. Das Labor sei noch nicht soweit, sagte die Sprechstundenhilfe, aber am nächsten Abend bestimmt …
Ich atmete tief durch, und warf einen Blick zu Lili, die auf dem Sofa lag und hin und wieder kläglich piepste. Tränen standen mir in den Augen …
Die nächste Nacht war schlimmer als die zuvor, und der folgende Tag schien in Stillstand versunken zu sein. Achtundvierzig Stunden auf Freispruch oder das ultimative Todesurteil zu warten, das ist eine lange Zeit. Um sechs Uhr hielt ich es nicht mehr aus und griff wieder zum Hörer. Die Ärztin sei gerade in Behandlung, wurde mir gesagt, sie riefe zurück. Also erneut warten!
Nach endlosen zehn Minuten klingelte das Telefon. Mein Herz klopfte wie ver­-
rückt …
katzenbuch„Alles in Ordnung“, sagte die Ärztin, „Lili hat keine Leukose!“
Wie erleichtert und glücklich ich war, lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Ich lief zu Lili, die nach wie vor auf dem Sofa lag, küsste ihr trockenes Näschen und wischte mir an ihrem Fell die Freudentränen ab.
Lili bekommt seitdem magenfreundliches Futter und ist längst wieder gesund. Sie jagt die Treppe rauf wie in alten Zeiten und gurrt auch wieder, wenn ich mit ihr „spreche“. Alles ist wie früher. Fast. Denn mindestens einmal am Tag flüstere ich ihr ins Ohr: „Ich hab dich lieb, du verrücktes Hühnchen …“
Renate Blaes

Die Geschichte ist aus “Das kunterbunte Katzenbuch”.

Im Mai 2014 wurde bei Lili Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Ein Jahr hatten wir noch miteinander, ein Jahr, das sehr schmerzlich, aber auch sehr schön war. Am 5. Juni 2015 ist meine geliebte Lili gestorben.

Kater Moritz hat Probleme

katzenbuch

Ich bin der Moritz und momentan im besten Alter, sozusagen. Zur Welt kam ich bei einer netten Familie mit vier Kindern, war also schon von klein auf damit vertraut, gestreichelt, allerdings aber auch ein bisschen geärgert zu werden.
Als ich drei Monate alt war, holte meine heutige Familie mich zu sich nach Hause. Die ersten Tage waren schon etwas komisch, alles war neu, Mama und meine Geschwister fehlten mir, die neue Umgebung musste ich kennenlernen, offen gestanden fühlte ich mich ziemlich einsam. Mein erstes Erlebnis mit Thomas (das ist der zweitwichtigste Mann im Haus!) war auch nicht so toll. Ich saß auf seinem Schoß und dann passierte es, ich musste mal, weil ich doch so aufgeregt war, und schon war seine Hose nass. Na, das fing ja gut an, aber erfreulicherweise hat mir das keiner übelgenommen.
Wider Erwarten habe ich mich dann schnell eingelebt, doch die ersten Probleme traten kurze Zeit später auf. Ich hatte Würmer, nahm kaum zu und war insgesamt nicht gerade robust. Trotz mehrerer Behandlungen wurde ich die ollen Würmer nicht los. Als ich dann ein Jahr alt war, wurde ich so richtig krank und lag ein paar Tage ziemlich schlapp im Körbchen. Die Tierärztin wusste auch nicht so recht weiter. Doch wie durch ein Wunder ging es aber plötzlich aufwärts mit mir, von da an war ich wie ausgewechselt und wurde topfit. Das Leben konnte beginnen – Katzendamen, wo seid ihr? Doch schwupps, und ich saß schon wieder bei der Tierärztin. Danach war ich nicht mehr der Alte und hatte mit den Damen nichts mehr am Hut. Das ist mir heute aber egal, da brauch ich mich wenigstens nicht immer mit üblen Konkurrenten um die Weiber zu prügeln.
Im Sommer bin ich fast immer draußen, im Winter verbringe ich die Tage lieber drinnen, in der Wärme. Nachts gehe ich vorzugsweise auf Jagd, da krabbeln nämlich die kleinen süßen Mäuschen aus ihren Löchern.
Meine „eigentliche“ Wohnung befindet sich in der Garage, und durch die Katzenklappe kann ich da rein und raus, wann ich will. Dort ist mein Futternapf und ein warmes Plätzchen zum schlafen. Ins Haus darf ich zwar auch, aber blöderweise gibt‘s dort keine Katzenklappe, ich bin also vom guten Willen meiner Familie abhängig. Aber die hab ich mittlerweile ganz gut im Griff, weshalb ich die Drei – im Vertrauen gesagt – eigentlich als mein Personal bezeichne. Im Großen und Ganzen geht es mir prima, und die kleinen Herausforderungen des Lebens löse ich im Pfotenumdrehen, wie in der folgenden Geschichte.
Wie komme ich ohne zu klingeln ins Haus rein?
Ich dachte scharf nach. Ja, ich muss ganz einfach auf mich aufmerksam machen. Also, Showtime – ab geht die Post. Ich tat so, als wolle ich einen Vogel fangen. Sprang hoch in die Luft, wälzte mich im Gras, kletterte auf die Schaukel, sprang wieder runter. Rannte hin, rannte her, schlug Purzelbäume – das volle Programm hab ich durchgezogen. Und was war am Ende? Nichts! Keine Bewunderung, kein Applaus, erst recht keine offene Tür. Ich war ziemlich sauer! Aber wozu habe ich eine Stimme? Ich peilte noch einmal die Lage und schaute durch die Scheibe der Haustür. Niemand zu sehen. Also los, tief Luftholen und ein trauriges aber sehr lautes Miau ausstoßen. Gedacht, getan – null Reaktion! Das Ganze noch mal. Wieder nichts. Sind die denn taub? In schnellem Trab und mit wieder sehr lautem Miauen ging’s jetzt rund ums Haus. Wieder keine Reaktion von drinnen.
Nun legte ich mich erst mal in die Sonne und ließ mir alles in Ruhe durch den Kopf gehen. Ich hatte gewartet, eine Show abgezogen, meine Stimme eingesetzt, und das alles umsonst. Ich warte doch nicht immer draußen, bis die Herrschaften mich rein rufen. Schließlich bin ich ein ausgewachsener Kater und treffe wichtige Entscheidungen selbst. Aber nach wie vor stellte sich die Frage, wie ich ins Haus rein komme. Da war guter Rat teuer. Doch dann kam mir plötzlich eine Idee. Ich sprang auf, rannte wieder zur Haustür, stellte mich auf die Hinterpfoten und trommelte mit den Vorderpfoten an die Scheibe, so laut ich konnte. Und zu meiner eigenen Überraschung konnte ich sehr laut trommeln (vielleicht war ich in einem früheren Leben mal Schlagzeuger). Und dann geschah es. Einen Moment später machte Karin – meine Hausdame – die Tür auf. So einfach sollte die Lösung gewesen sein? Es schien so. Denn über die folgenden Jahre hat sich dieses Verfahren als sehr wirkungsvoll erwiesen. Das erste Problem war damit gelöst, aber es gab ja noch andere. Eines davon war ein schwerwiegendes Kommunikationsproblem in punkto Mittagessen.
Der Kampf ums Mittagessen
Es wird wohl jedem klar sein, dass ein Kater wie ich viel Nahrung zu sich nehmen muss. Wo soll sonst die ganze Kraft herkommen? Inzwischen habe ich alle möglichen Futtersorten probiert und weiß, was mir schmeckt. Mäuse fange ich mir natürlich selber, aber immer nur Maus auf dem Speisezettel ist langweilig, außerdem gibt’s auch Besseres. Aber ich hätte nie gedacht, wie lange es dauert, bis mein Personal das begriffen hat. Ich erkläre das an einem Beispiel: die Nacht war hart und lang, der Morgen graute, und ich wurde allmählich müde. Noch schnell ein Mäuschen als Betthupferl, dann rein ins Haus (mit dem üblichen Getrommel natürlich) und ab ins Körbchen. Dort träumte ich süß, bis mich das Geräusch klappernder Teller weckte. Es gibt Geräusche, die überhöre ich selbst im Tiefschlaf nicht, Tellerklappern gehört dazu.
Ich rannte in die Küche, wo es nach Brathähnchen roch. Der Backofen leuchtete, und in seinem Innern brutzelte tatsächlich ein nacktes Federviech. Habe ich schon gesagt, dass ich Brathähnchen liebe?! Demonstrativ platzierte ich mich vor die Scheibe. Es wird ja wohl jeder verstehen, dass ich gewisse Ansprüche an den Inhalt des Ofens anmeldete. Doch genau hier begannen die Probleme.
„Moritz, musst du dich denn mitten in den Weg setzen?“
Karin packte mich und beförderte mich weg vom Ofen. Na gut, dann setze ich mich eben auf den Stuhl. Da hab ich eh den besseren Überblick.
„Was willst du denn”, fragte Karin, “willst du raus?“
Blöde Frage, warum saß ich wohl auf dem Stuhl? Da stand wieder ein harter Kampf ums Mittagessen bevor …
„Draußen hast du dein Futter, dort ist alles, was du brauchst.“
Das stimmte natürlich, aber hier gab‘s alles was ich wollte.
„Moritz, du nervst!“
Ruckzuck fand ich mich in meinem Körbchen wieder. Da schlägt man doch die Pfoten über dem Kopf zusammen – über soviel Ignoranz und Starrköpfigkeit. Aber das kann ich genauso gut. Lässig in mein Körbchen gekuschelt, wartete ich bis meine Zeit gekommen war und alle drei am Tisch saßen. Als es soweit war, schlich ich auf leisen Sohlen wieder in die Küche, ließ mich auf dem Boden nieder und setzte meinen traurigsten Blick auf. Keine Reaktion! Geduld ist eine meiner Tugenden, und so wartete ich Minute über Minute. Nur ab und zu blickte ich auf und bemerkte, dass die drei nervös wurden. Gleich würde ich sie weich gekocht haben – die Zeit war reif für ein klägliches Miau. Ich spürte die Blicke auf mir, setzte noch einen wehleidigen Maunzer nach, erhob mich langsam und tappte mit gesenktem Blick und hängendem Schwanz in Richtung Küchentür. Ein Bild des Elends!
Nachdem ich so wirkungsvoll an das Gewissen meiner Drei appelliert hatte, konnte der Erfolg nicht ausbleiben. Sophie (die jüngste im Personal, Lehrling sozusagen) stand schließlich auf, holte meinen Napf, füllte etwas Hähnchenfleisch hinein und stellte ihn an meinen Futterplatz. Na also, warum nicht gleich so. Manchmal glaube ich, die machen das aus reiner Lust an ihrem sadistischen Spiel. Aber irgendwie macht mir die Bettelei auch Spaß. Da werde ich richtig ernst genommen und bekomme die volle Aufmerksamkeit. Und, mal ganz ehrlich, wer von uns mag das nicht?
Ein Freund, ein guter Freund …
Nicht alles, was ich erlebe, ist mit Problemen verbunden. Manche Dinge gehen auch ganz unkompliziert vonstatten, so wie in folgender Geschichte.
Vor ungefähr einem Jahr haben wir neue Nachbarn bekommen. Dass sie ein Zwergkaninchen ihr eigen nannten, das draußen im Garten seinen Stall hatte, habe ich positiv zur Kenntnis genommen. Negativ daran war, dass ich die Stalltür partout nicht auf bekommen habe, so dass der Mümmelmann zum Verzehr nicht zu erreichen war.
nachbarkaterLetzten Herbst aber legten die Nachbarn sich einen Kater zu. Das war schon wesentlich interessanter für mich – ein Artgenosse in unmittelbarer Nähe. Enttäuschenderweise war das aber noch ein richtiger Dreikäsehoch, ein Jüngling und somit auch keine wirkliche Konkurrenz für so einen alteingesessenen Haudegen wie mich. Den ganzen Winter durfte der Neuankömmling außerdem nicht aus dem Haus, weil er noch so jung war. Ich fand das sehr schade, weil es einfacher gewesen wäre, ihm von klein auf klarzumachen, wo hier in meinem Revier der Hammer hängt. Doch jetzt ist der Dreikäsehoch ein Jahr alt und durfte vor einigen Wochen endlich das Haus verlassen, sich in der Umgebung umsehen und dem einheimischen Katzenvolk vorstellen.
Charly heißt der Halbstarke mit der drahtigen Figur. Er ist lange nicht so behäbig wie ich es bin, aber er trägt ja auch nicht so viele Pfunde mit sich rum. Jedenfalls dauerte es nicht lange und Charly besuchte mich. Er war sehr schüchtern und schaute erst einmal vorsichtig um die Ecke. Vorsichtshalber machte ich ein fürchterlich grimmiges Gesicht und verwandelte meinen schlanken Schwanz in eine riesige Flaschenbürste, nur zur Sicherheit, damit der Kerl wusste, wer hier der Herr im Hause ist. Er schien tief beeindruckt zu sein, denn geduckt schlich er sich wieder von dannen.
katzenbuchNa, so war das ja auch nicht gemeint von mir. Schnell rannte ich hinter ihm her, um ihm ein Friedensangebot zu machen. Allerdings dauerte es einige Runden ums Haus, bis Charly meine friedlichen Absichten endlich begriffen hatte und stehen blieb. Vorsichtig tappten wir aufeinander zu und beschnupperten uns ausgiebig. Charly schien mich zu mögen, und ich konnte den Burschen auch gut leiden, wie ich ehrlich zugebe. Zum Zeichen der Freundschaft tauschten wir noch einen Nasenstüber aus, dann tobten wir durch den Garten und rauften uns freundschaftlich in den Blumenbeeten. Wie die Tulpen danach aussahen, ist ein anderes Kapitel und hat mir mal wieder einen Minuspunkt bei meinem Personal eingebracht.
Seitdem ist Charly mein Freund und besucht mich täglich. Zuerst jagen wir kreuz und quer durch die Fauna, schlagen Purzelbäume und balgen uns, dass die Fellfetzen fliegen, dann klettern wir mit rasanter Geschwindigkeit auf Bäume und Sträucher, und zum Schluss vertreiben wir ungebetene Kollegen aus unserem Terrain.
katzenbuchNach derart anstrengenden Unternehmungen müssen wir dann erstmal ausruhen und Siesta auf dem Gartentisch halten. Der ist ja eigentlich tabu für uns, aber genau deshalb macht es Spaß, darauf herum zu lümmeln. Meine Hausdame meckert immer, wenn sie uns entdeckt und scheucht uns weg, und weil wir keinen Ärger wollen, verziehen wir uns unter die Büsche, wo wir Fell an Fell ein Nickerchen machen.
Alles in allem kann ich sagen, es ist sehr schön, einen Freund zu haben.
Moritz, nach Diktat mit Charly im Garten unterwegs
i. A. Thomas Borgstaedt

Die Geschichte stammt aus: Das kunterbunte Katzenbuch

Katzenroman

katzenroman

“Viktor und seine Freunde”, so heißt der Katzenroman, mit dem ich zur Zeit beschäftigt bin. Hier das erste Kapitel:

Unten am Bach
Diese Geschichte nahm ihren Lauf in aller Herrgottsfrühe – kurz nach Fünf. Die aufgehende Sonne färbte den Himmel am Horizont mit jenem Rosarot, das einen ungetrübten Sommertag versprach. Winzige Tautropfen schmückten Grashalme, Blumen und Spinnweben, ein laues Lüftchen spielte mit dem dichten Laub der Bäume, ein leises Raunen zog durch die Blätter, und die auf den Ästen sitzenden Vögel stimmten mit fröhlichem Gezwitscher ihr Morgenkonzert an. In dem Landstrich, von dem hier die Rede sein wird, herrschte morgendlicher Friede. Noch.
Oskar, müde von dem nächtlichen Ausflug in die Moorwiese, hatte sich vor wenigen Minuten aufs Öhrchen gelegt und schnarchte leise. Sein Bruder Leopold lag dicht neben ihm und schnarchte ebenfalls. Melodiös schnarchten beide im Duett, und Oskar träumte gerade von einem vierblättrigen Kleeblatt, als ein merkwürdiger Ton seinen Traum störte.
»Jaaaaauuu … jaauu jaaaauuuu!«
Die jämmerlichen Klänge wollten so gar nicht zum Bild der leckeren Mahlzeit passen – Oskar wachte auf. Aufmerksam lauschte er in die Dämmerung, doch bis auf das rhythmische Schnarchen seines Bruders war nichts zu hören. Na ja, ein Traum halt, dachte Oskar, schloss die Äuglein wieder, drückte sich fröstelnd an Leopolds warmes Fell und war gerade im Begriff wegzunicken, als das Geräusch erneut ertönte.
»Jaaaaauuu … jaauuu … jaaaauuuuu.«
Oskar fuhr hoch und stieß seinem Bruder unsanft das Pfötchen in die Rippen. »Leo«, rief er, »aufwachen!«
Unwillig drehte sein Bruder sich um. »Was’n los?«, murmelte er verschlafen.
»Ich weiß auch nicht, was los ist. Auf alle Fälle ist was passiert, und wie es sich anhört, nichts Gutes.«
Schwerfällig setzte Leopold sich auf. »Ich hör nix«, sagte er und gähnte.
»Sperr halt deine Lauscher auf!«
Leopold spitzte die Öhrchen und meinte nach einigen Sekunden, in denen wieder nichts als Vogelgezwitscher zu vernehmen war: »Das ist der Buchfink, diese gefiederte Nervensäge. Hat nix Besseres zu tun, als jeden Morgen um Punkt fünf das Tirilieren anzufangen. Grässliche Person … dieser Buchfink. Die Katz soll ihn holen!«
»Ich meine doch nicht den Buchfink … ich meine das andere Geräusch.«
»Was für’n anderes Geräusch denn – ich hör nur dieses nervtötende Türülü.«
»Das Türülu stammt übrigens nicht vom Buchfink, sondern von der Amsel. Aber ich rede jetzt nicht von Piepmätzen, sondern von diesem merkwürdigen Geräusch.«
Und wie von Oskar bestellt, ertönte es just in diesem Moment wieder: »Jaauuu ….. jaauuuuu …. jaaaauuuu!«
»Nie im Leben ist das ein Vogel«, rief Oskar, »aber egal, da braucht jemand unsere Hilfe, dringend! Und wir müssen hin … und zwar sofort!«
Leopold streckte die unausgeschlafenen Glieder. »Du kannst ja gern dein Helfersyndrom befriedigen«, sagte er und erhob sich ächzend vom Nachtlager. »Was mich betrifft, so kümmere ich mich erst mal um meine eigenen Belange. Du weißt doch‚ jeder ist sich selbst der Nächste, das gilt ganz besonders für die Spezies der Nager. Außerdem brauche ich erst was zwischen die Beißerchen, mit leerem Magen kann ich nicht denken.«
»Für gewisse Mäuse gibt’s wohl nichts Wichtigeres, als sich die Wampe vollzuschlagen«, brummte Oskar. »Außerdem gehört Denken so oder so nicht zu deinen Stärken …«
»Die Beleidigung überhör ich geflissentlich«, meinte Leopold und zerbiss ein Getreidekörnchen. »Und was das Futter betrifft, so gibt’s in der Tat nichts Wichtigeres. Du weißt doch … Essen hält Leib und Seele zusammen.« Er grinste.
»Quatsch keine Opern, sondern mach, dass du in die Pötte kommst!« Zielstrebig tippelte Oskar durch den Erdgang und winkte auffordernd mit dem Pfötchen. »Los, beeil dich!«
»Eile mit Weile …« Leopold knabberte noch ein Getreidekörnchen und trippelte dann seinem Bruder hinterher.
An der Erdoberfläche angekommen, kletterte Oskar auf einen Maulwurfhaufen und blickte um sich. Nichts zu sehen, nichts Ungewöhnliches zumindest. Auch zu hören war nichts Besonderes. Ein leises Rascheln von Artgenossen unter den Sträuchern da und dort, das Zwitschern der Vögel und das Summen vereinzelter Insekten – in der Ferne schlug eine Turmuhr. Oskar zuckte mit den Schultern und wollte schon umkehren, als wieder dieses Geräusch ertönte. Oskar fuhr herum und horchte mit gespitzten Ohren in alle Windrichtungen.
»Dort«, rief er aufgeregt und deutete mit der Pfote zum Südende der Wiese, »dort hinten bei der Trauerweide am Bach … dort muss was passiert sein.«
Jetzt hörte auch Leopold die kläglichen Töne. Und in der Tat, es konnte sich nicht um den Buchfink handeln, denn der flötete immer oben, im Geäst des mächtigen Ahornbaumes. Dieses Geräusch aber kam aber nicht von oben, sondern wehte mit dem Geruch von frisch gemähtem Heu flach über die Wiese.
Mit kleinen Sprüngen hüpfte Oskar den Maulwurfhaufen runter und rannte in Richtung Bach.
»Na, worauf wartest du denn noch?«, rief er seinem Bruder über die Schulter zu.
»Hektik am Morgen, bringt Kummer und Sorgen«, nörgelte Leopold, lief aber widerwillig Oskar hinterher. Er wusste, dass ihm nichts anderes übrig blieb, denn sein Bruder war bekannt für seine Hartnäckigkeit. Außerdem wollte er selbst jetzt auch wissen, was los war, und so bahnten sich die Mäusebrüder im Gleichschritt ihren Weg durchs morgentau-feuchte Gras. Wenige Minuten später waren sie bei der kleinen Trauerweide angekommen, Oskar schaute nach unten in den Bach und erfasste mit einem Blick die Sachlage: Die Schnur eines zugebundenen Sackes hatte sich im Wurzelwerk des Baumes verheddert. Die untere Hälfte des Sacks dümpelte im Wasser, die obere ruhte auf einem Sandbänkchen. Der Sack bewegte sich, ganz so, als strampelte sein Inhalt.
»Was’n da drin?«, meinte Leopold und machte ein banges Gesicht.
»Woher soll ich das denn wissen«, brummte Oskar, »bin ich Hellseher? Aber egal, was drin ist … es lebt. Vermutlich aber nicht mehr lange. Ich denke, ich sollte runter springen und der Sache auf den Grund gehen. Dem Sack, besser gesagt.«
Leopold runzelte die Stirn.
»Oskar«, sagte er und hob warnend ein Pfötchen, »du weißt doch, wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.«
»Dem Mutigen gehört die Welt«, konterte Oskar, sprang mit einem beherzten Kopfsprung in den sanft dahin plätschernden Bach, schwamm zum Sandbänkchen, tippelte ins Trockene und schüttelte sich das Wasser aus dem Pelz. Dann tappte er auf Zehenspitzen zu dem Sack, der sich immer noch bewegte.
»Hallo«, flüsterte Oskar.
Das Strampeln im Sack hörte abrupt auf, auch Oskar verharrte, den Blick starr auf den Sack geheftet. Doch nichts geschah, keine Bewegung, kein Geräusch. Vorsichtig tippte Oskar mit einem Pfötchen auf den Sack. Immer noch keine Reaktion.
»Hallo«, flüsterte er wieder und tippte noch mal auf den Sack. »Ist da wer?«
»Ja, ich« tönte es aus dem Sack.
Oskar machte vor Schreck einen Schritt rückwärts und überlegte ein paar Sekunden.
»Ich, ich … das kann ja jeder sagen. Wer oder was bist du?«
»Ich heiße Viktor.«
»Es ist mir völlig wurscht, wie du heißt«, meinte Oskar, »wer du bist, will ich wissen. Und überhaupt … wieso steckst du denn in diesem Sack?«
»Ach weißt du, mein Leben war so langweilig, da dachte ich, ich krieche in einen Sack, schnüre ihn zu und schmeiße mich in den Bach.«
Oskar runzelte die Stirn. »Häh?«
»Ja«, tönte es aus dem Sack, »kleiner Abenteuerurlaub sozusagen.«
Oskar kratzte sich am Kopf und überlegte erneut. »Kann es sein, dass du mich veräppeln willst?«, sagte er.
»So eine Unziemlichkeit käme mir nie in den Sinn« , sagte das Wesen, das sich Viktor nannte.
»Abenteuerurlaub …«, grummelte Oskar, »hab ich ja noch nie gehört. Was soll das denn sein?«
»Das erkläre ich dir sehr gern«, tönte es aus dem Sack, »aber vielleicht befreist du mich erst aus meiner misslichen Lage.”
»Leichter gesagt als getan«, brummte Oskar und schaute hilfesuchend nach oben, zu seinem Bruder. Leopold hatte es sich auf einem Grasbüschel bequem gemacht, knabberte an einem Löwenzahnblatt und guckte neugierig nach unten.
»Willst du mir nicht helfen?«, knurrte Oskar, wohlwissend, dass von Leopold keine Hilfe zu erwarten war. Sein völlig aus der Art geschlagener Bruder war nämlich wasserscheu. Das war die eine Sache. Die andere Sache war die, dass Leopold nicht nur wasserscheu, sondern auch feige war. Demzufolge mied er gefährliche Situationen, wann immer eine auch nur in Sichtweite war. Doch zumindest dachte er nach. Und weil Nachdenken ein starkes Hungergefühl bei ihm auslöste, knabberte er weiter auf dem Löwenzahnblatt herum.
»Vielleicht solltest du ein Loch in den Sack beißen«, meinte er nach einer Weile und strahlte – ganz begeistert über seinen Vorschlag.
»Super Idee! Da wäre ich im Leben nicht drauf gekommen …«, brummte Oskar, hatte aber auch keinen besseren Einfall und machte sich daran, Leopolds Vorschlag in die Tat umzusetzen. Und weil sich sein Gebiss aufgrund regelmäßiger Zahnpflege – das Kauen von Petersilienwurzeln – in bestem Zustand befand, schob sich kurze Zeit später ein rot bepelzter Katzenkopf durch den Sack.
Leopold ließ vor Schreck das Löwenzahnblatt fallen, trippelte so schnell es seine Pfötchen erlaubten, davon und machte erst nach einem Sicherheitsabstand von einem Mäusekilometer (das sind so ungefähr hundert Mäuselängen) wieder Halt.
»Na, bravo«, japste er und schnappte nach Luft. »Oskar rettet seinem zukünftigen Mörder das Leben. Wenn ich das im Club erzähle …«

Fortsetzung folgt.

Hunger

trockenfutter

Als Rosso vor fast vier Jahren in mein Leben trat (was für ein wunderbares Ereignis!), habe ich ihm Nassfutter gegeben. Das hat er mit großem Appetit gefuttert.

Dann habe ich verschiedene Trockenfutter-Testangebote bekommen, und dabei hat Rosso festgestellt, dass er lieber Trockenfutter schnabuliert.

Dann habe ich noch ein Fummelbrett zum Testen bekommen, und dann war mit Rossos Vorliebe alles klar: Trockenfutter!

Das behagt mir zwar gar nicht, und so gelingt es mir zumindest, ihm jeden Tag ein Schälchen Yarrah-Nassfutter vorzusetzen. Er futtert also halbe:halbe.

Trotzdem hockt er immer wieder demonstrativ vor dem Fummelbrett: Und was diese Pose bedeutet, da braucht wohl niemand lange rumzurätseln. Sh. oben.

PS: Ich muss das Fummelbrett unbedingt einer ausgiebigen Dusche aussetzen …