Die komplette Katzenbande beim Tierarzt

Es fiel mir am Mundgeruch auf. Wenn Lieschen auf der Couch neben mir lag und das Mäulchen öffnete, beim Putzen zum Beispiel, schwebte mir ein unangenehmer Geruch entgegen. Und das aus über einem halben Meter Entfernung! Nach relativ misslungenen Versuchen, ihr ins Mäulchen zu schauen, vereinbarte ich einen Termin bei der Tierheilpraktikerin. Die untersuchte Lieschen, stellte eine Zahnfleischentzündung fest, gab mir Globuli mit, und ich wartete ab. Untersuchung + Globuli: rund 60 Euro.

Als sich nichts besserte, vereinbarte ich einen Termin bei der “normalen” Tierärztin. Die Diagnose war dieselbe: Zahnfleischentzündung. Die scheint bei Katzen oft vorzukommen. Grund: Autoimmunerkrankung. Kosten: rund 30 Euro inklusive Medikamenten. (Kleine Zwischenbemerkung: Alles, was ich diesbezüglich schreibe, ist so wiedergegeben, wie ich es als Laie verstanden habe!) Außerdem sagte die Tieräzrtin, dass einer der hinteren Backenzähne vermutlich schadhaft sei, es sei anzuraten, ihn zu ziehen. Da sie selbst keine Zähne zieht, suchte ich einen Tierarzt auf, der das übernahm. Kostenpunkt: rund 300 Euro. Inklusive Blutuntersuchung, Röntgen, Narkose etc.

Nachuntersuchung bei der Tierärztin drei Wochen später + Medikamente: rund EUR 45,00

Erneuter Besuch bei der THP inklusive Globuli: rund EUR 70,00

Es besserte sich aber wenig bis nichts. Nun hieß es: Cortison. Im September 2015 bekam Lieschen eine Langzeitgabe gespritzt, und ich hatte den Eindruck, dass das Cortison Wirkung zeigte. Wobei ich sagen muss, dass es mir erstens kaum gelang, Lieschens Mäulchen so weit zu öffnen, dass ich das Zahnfleisch tatsächlich begutachten konnte, und zweitens zu wenig Ahnung davon habe, ob und in welchem Entzündungsstadium sich das Zahnfleisch einer Katze befindet. Kostenpunkt: rund 30 Euro inklusive Cortisonspritze.

Und nun wieder abwarten.

Besuch bei der Tierärztin 6 Wochen später. Zahnfleisch nach wie vor entzündet (Tierärztin: “Es gibt durchaus schlimmere Entzündungen.”) Cortison-Tabletten verordnet. Versuch: ein paar Tage lang eine Tablette täglich, dann langsam ausschleichen. Kostenpunkt: rund 60 Euro.

Mitte letzter Woche hatte ich den Eindruck, dass Lieschen wieder Probleme mit dem Zahnfleisch hat und habe ich wieder mit Cortison-Tabletten begonnen. Drei Tage lang eine, dann wieder ausschleichen. Das war der Plan. Lieschen fraß übrigens die ganze Zeit mit gutem Appetit. Nur fiel mir immer wieder auf, dass sie sich nach der Mahlzeit öfter mit der Pfote seitlich das Mäulchen rieb …

Am Wochenende gelang es mir tatsächlich, Lieschens Mäulchen so weit aufzumachen, dass ich das Zahnfleisch im Kieferwinkel anschauen konnte. Es war dunkelrot. Also wirkte das Cortison nicht! Die Tierärztin hatte mich auch darauf aufmerksam gemacht, dass Cortison auf längere Zeit keine Lösung sei. Entfernung der Backenzähne seien vermutlich die bessere Variante. Sie empfahl mir eine Kollegin, die u. a. auf Zahnprobleme spezialisiert sei. Dort rief ich am Montag Vormittag an und bekam für nachmittags einen Termin.

Da ich bei Rosso einen roten Saum am Zahnfleischrand entdeckt hatte, nahm ich den auch mit. Wenn ich schon eine Zahn-Spezialistin aufsuchte, könnte die ja auch gleich einen fachmännischen Blick auf Rossos Gebiss werfen. – Ich borgte mir bei meiner Nachbarin deren Katzenkorb.

Gegen Mittag kam Moritz heim. Futterte und machte sich wieder auf den Weg nach draußen. Aber: er sprang nicht wie sonst leichtfüßig auf die Terrassenbrüstung, sondern blieb unschlüssig unten stehen, schaute nach oben, tippelte ein paar Schritte hin und her, schaute wieder unschlüssig nach oben, und ich dachte mir: Da stimmt was nicht!

Schließlich hüpfte er auf einen Blumenkübel und von dort auf die Brüstung. Dann machte er sich auf den Weg zur Katzenleiter, und ich schaute ihm hinterher. Er humpelte! Außerdem zog er das linke Hinterbein hinter sich her. Oweia!

Ich raste nach unten, um ihm bei der Katzenleiter in Empfang zu nehmen. Hoffentlich würde er nicht vorher runterspringen und davon düsen. Ich kenne meine Pappenheimer!

Er stand noch oben an der Dachrinne, wo die Katzenleiter befestigt war. Unschlüssig schaute er nach unten. Normalerweise wäre er längst weg gewesen, aber sein Beinproblem hielt ihn davon ab, zügig die Leiter runter zu tippeln. Er humpelte von Leiste zu Leiste, und es gelang mir doch tatsächlich, meinen schwarzen Racker von der Katzenleiter zu ziehen. Uff!

Ich trug ihn in die Wohnung und untersuchte seinen Hinterlauf. Verkrustungen im Fell hinterm “Knie”. Also eine Verletzung. Mehr konnte ich nicht entdecken, und ich klingelte bei meiner Nachbarin, denn die hat erfreulicherweise zwei Katzenkörbe.

Nun waren alle drei Katzen in der Wohnung. Rosso fand das prima. Moritz weniger und Lieschen gar nicht. Katzenkonzert hoch drei!

In meiner Not sperrte ich alle drei ins Bad, wo ein großes Kissen liegt. Außerdem legte ich ein dickes Handtuch in die Badewanne. Katzenklo steht auch im Badezimmer (für Rosso, der noch nicht raus darf).

Nach wenigen Minuten herrschte Ruhe im Badezimmer.

Um halbvier dann packte ich meine pelzigen Untermieter in die Körbe und ab gings – zur Tierärztin nach Kaufering.

katzenkorb

Fortsetzung folgt.

4 Kommentare

  1. Susanne Schwarz

    Na, dann drücke ich mal die Daumen, dass die Geschichte in der Fortsetzung ihr gutes Ende findet!!!

  2. Auf die Fortsetzung sind wir auch gespannt 🙂 Mama ist ja auch schon mal mit uns allen 5 zu Tante Doc gefahren – sie hat das Gejaule nicht ausgehalten und gesagt, dass sie nie wieder mit uns allen zum Arzt fährt – ihre armen Nerven 😀
    Schnurrer Engel und Teufel

  3. Ach herrje, liebe Renate, da hast du aber auch dein Tun.
    Ich bin auch schon auf die Fortsetzung der Tierarztstory mit den
    drei Hübschen gespannt. Hoffentlich gibt es nichts Negatives zu
    berichten!!!

    Liebe Grüße von
    Elke

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