7 Jahre Moritz

An einem heißen Hochsommertag ist er mir über den Weg getippelt: Moritz, mein kleiner Schwarzbär. Er wurde auf einem Golfplatz ausgesetzt. Und seit jenem Tag freue ich mich über den stets gut gelaunten schwarzen Kater mit den wunderschönen grünen Augen.

Zuletzt habe ich ihn vergangene Nacht gesehen. Da kam er mit einer Maus an. Unterm Sofa hat er sie gefressen und gleich wieder ausgekotzt …

Wunderbare Fundsache für Katzenmenschen

Im Internet findet man ja so allerlei. Vieles davon ist blöd, vieles davon auch gut bis sehr gut. Eben bin ich per Zufall über Jasmins kreativen “Schwatz-Katz-Blog” gestolpert und habe dort eine Anleitung für das Nähen einer ganz wunderbaren Einkaufstasche mit Katzenmotiv gefunden.

Einkaufstasche
Foto: Jasmin Schneider

So eine Tasche werde ich mir auch nähen – hab schließlich eine Nähmaschine. Sie hat die Marke “Singer” und stammt aus dem vorletzten (!) Jahrhundert! Und sie näht auch nur vorwärts. Aber sie näht! Will ich was in die andere Richtung nähen, muss ich das Teil halt umdrehen …

Nächtliche Waschaktion

Das war ne Nacht! Um halbeins kam Moritz heim, ich saß mir Lili auf dem Sofa und schaute Sascha Grammel an (sehr empfehlenswert!). Moritz setzte sich auf meinen Schoß und fing gleich an, sich wie verrückt zu putzen. Zehen, Pfoten, Beine, Schwanz, Bauch. War er fertig mit der ersten Runde, ging es wieder los: Zehen, Pfoten, Beine, Schwanz, Bauch. Er nestelte in seinem Fell herum wie ein Verrückter.

Aha, die Milben war noch nicht vernichtet! Gott sei Dank habe ich gestern Nachmittag beim Aufräumen im Schrank ein Shampoo gefunden, das letztes Jahr schon zum Einsatz kam. Und dann gings los!!!

Moritz ins Bad geschleppt. Feuchtes Wasser überall auf sein Fell gespritzt. Dann vorsichtig Shampo verteilt und einmassiert. Das hat IHM GAR NICHT GEFALLEN!

Erst musste das Shampo ungefähr fünf Minuten einwirken, danach das Shampo sorgfältig ausgespült werden! Die Vorder- und Hinterpfoten habe ich im Waschbecken gewaschen. Aber der restliche Kerl musste in die Badewanne, wo ich ihn mit dem Brausekopf der Dusche das Shampo rausgespült habe. DAS WAR SCHRECKLICH FÜR IHN. Er hat geschrieen wie am Spieß und vermutlich haben die anderen Hausbewohner gedacht, ich ermorde einer meiner Katzen.

Als das Shampo dann einigermaßen rausgespült war, habe ich den pitschnassen Kerl schnell in ein Badehandtuch gewickelt und intensiv abgerubbelt. Da war wieder Ruhe! Als er die Nasszelle (wörtlich zu nehmen!) verlassen durfte, hockte er sich unter den Esstisch und leckte sein Fell trocken.

Die Katzenklappe war verschlossen, weil ich nicht wollte, dass mein Schwarzbär sich erkältet. Nach einer halben Stunde hat er sich freiwillig (!) wieder auf meinem Schoß niedergelassen, wo die Trocknungsaktion weitergeführt wurde. Dazu habe ich ihn unter eine warme Decke gesteckt, und nach zwei Stunden war mein Schwarzbär wieder trocken – und hoffentlich endlich milbenfrei! Die Nacht haben wir dann gemeinsam verbracht: auf dem Sofa. Beide unter der Decke!

Dach

Jetzt strawanzt er wieder und sammelt hoffentlich keine neuen Milben ein.

Milbenattacken

milben

So, unser Tierarzt, der liebe Herr Rattenhuber, hat den Parasiten erstmal den Garaus gemacht. Allerdings sah die leicht entzündete und schorfige Stelle am Bauch heute früh schon deutlich besser aus als gestern Abend. Das liegt vermutlich daran, dass ich das Bäuchlein erst mit Calendula beträufelt, dann mit Wundspray besprüht und zum Schluss mit einem ölgetränkten Papiertuch behandelt habe. Diese Mischung hat den Viechern wohl nicht besonders gut geschmeckt.

Beim Tierarzt wurde der kleine Kerl dann Frontlinespray einmassiert – am ganzen Körper. Denn Herr Rattenhuber entdeckte Milben am Ohr, an den Füßen, an den Brustwarzen. Die Viecher hocken überall. Ich habe mir dann eine unterm Mikroskop angeschaut: Widerlich! Hier gibt es Fotos.

Jetzt strawanzt er wieder, mein Schwarzbär – nachdem vergangene Nacht Ausarrest angesagt war wegen des Tierarzttermines. Er hat die ganze Nacht in und auf meinem rechten Arm geschlafen und heute früh haben wir ausgiebig gekuschelt.

Alarm: Herbstgrasmilben

Mein Schwarzbär war drei Tage nicht zu Hause, eben hab ich ihn im Garten gesucht, gepfiffen und er kam tatsächlich. Normalerweise kann ich pfeifen, solange ich will …

Ich habe mir angewöhnt, den kleinen Kerl regelmäßig zu untersuchen und nachzuschauen, ob er wieder irgendwelche Verletzungen hat. Hab überall an ihm rumgefummelt und dann am Bauch eine ungefähr 12 Zentimeter lange Stelle entdeckt, die entzündet aussah und Schorf hatte. Erst dachte ich, er habe sich wieder an einem Draht verletzt. Dann hab ich mir die Stelle näher angeschaut und ich entdeckte an einer Stelle so merkwürdig rote Pünktchen, die mich stark an Herbstgrasmilben erinnerten, die Katzen normalerweise am Ohr und an den Zehen haben. Ich machte eine Makroaufnahme und mailte sie dem Tierarzt.

Milben
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Der bestätigte meine Vermutung: Herbstgrasmilben. Heute Nacht darf der Schwarzbär wieder in der Wohnung verbringen, weil ich morgen mit ihm zum Tierarzt fahre, und die lästigen Parasiten zu entfernen. Denn sie jucken so fürchterlich, dass er sich den ganzen Bauch derart intensiv geleckt hat, und die Stelle sich entzündete. Ich kann beim Tierarzt wirklich ein Abo bestellen …

Hier die Viecher aus der Nähe. Eindeutig Milben …

Milben

Weltkatzentag!?

Weltkatzentag – wozu es so einen Tag gibt, wird mir wohl keiner erklären können. Sehr vielen Katzen geht es sehr schlecht, sie sind krank, die Tierheime sind voll von ihnen, in China werden sie gegessen und davor vegetieren sie in viel zu kleinen Käfigen dahin. In vielen Ländern sind Katzen nur lästig und dienen lediglich als Mäusefänger.

Zum Weltkatzentag kann ich nur an alle Menschen apellieren: Seid Euch bewusst, dass Ihr nicht die Krone der Schöpfung seid, sondern Unheil über die Erde bringt. Ihr seid Zerstörer und Vernichter. Habt keinen Respekt vor Tieren und der Natur. Viele von Euch haben es gar nicht verdient, zu leben. Ich wünsche Euch die Pest an den Hals!

Ich könnte kotzen – angesichts der Ungerechtigkeit der Welt. Und dieser Weltkatzentag dient einzig und allein den Medien, weil sie damit ihre Blätter füllen können. Pfui Teufel!

Und die Zeit sollte sich für ihren dämlichen Artikel schämen …

Auf. Ab. Auf.

Lili

Lili lebt. Sie futtert. Sie schnurrt. Die Knötchen sind minimal kleiner geworden. Sie geht auch in den Garten. Der Gruß im großen weißen Katzenklo ist auch in Ordnung.

Napf

Wir haben uns wohl noch ein paar Tage … oder Wochen? Für jeden Tag mit meinem geliebten Liebling bin ich dankbar.

Abschiedsvorbereitungen

Lili

Die Knötchen werden zusehends dicker, die Zeit der Hoffnung ist vorbei, ich treffe Vorbereitungen. Eben war ich im Nachbargarten und habe unter einem großen Haselnusstrauch ein kleines Grab aushoben. Die Nachbarin und ihre Tochter haben mir dabei geholfen, ich hatte “Glück”, denn morgen wäre sie in Urlaub gewesen. Und so ein kleines Grab auszuheben, ist sehr anstrengend und kräfteraubend. Einmal hat es mir wieder den Kreislauf zusammengehauen, ich wäre beinahe umgefallen, schaffte es aber gerade noch, mich auf abgeschnittenen Haselzweigen niederzulassen.

Zwei dicke Haselzweige habe ich mitgenommen und ein kleines Kreuz daraus gebunden. Als Grabschmuck habe ich Haselnüsse daran befestigt. Während ich das gemacht habe, fiel mir die hohe Symbolik auf: Die Haselnüsse haben genau die Größe wie die Knoten an Lilis Hals …
Kreuz

Vielleicht betrachten manche solche Vorbereitungen als pietätlos meinem geliebten Liebling gegenüber – mir helfen sie, Abschied zu nehmen. Lilis Lieblingsmaus, die Piratenmaus, mit der sie vor wenigen Tagen noch gespielt hat, werde ich ihr mitgeben …

Der Abschied kommt

Ich schreibe nun doch, auch wenn mir die Tränen dabei über die Wangen rollen. Es ist besser für mein Gemüt, die Gefühle rauszulassen …

Heute Nacht habe ich wieder auf dem Sofa geschlafen, Lili aber nicht auf meinem Bauch, sondern auf dem Stuhl am Tisch. Doch heute früh kam sie plötzlich und legte sich auf meinen Bauch und schnurrte. Aber sie war sehr unruhig, die deutlich angeschwollenen Knoten stören sie. Sie bewegt dauernd den Kopf und fährt mit dem Züngchen den Mund entlang.

Nach einer Viertelstunde hörte sie allmählich auf zu schnurren, und ich habe irgendwie gehofft, dass ihr Herzchen aufhört zu schlagen. Aber sie hat einfach nur geschlafen. Später dann kam Moritz und legte sich auf meine Unterschenkel, das hat ihr natürlich nicht gefallen, sie hat geknurrt, ist aber noch liegengeblieben. Als Moritz dann seine Position gewechselt hat, ist sie fluchtartig vom Sofa gesprungen. Ich bin dann in mein Bett gegangen und habe noch eine Stunde geschlafen, mit Alpträumen – nicht von Lili, sondern von Lieschen und Moritz.

Vorhin bin ich in mein Arbeitszimmer gegangen, da lag sie auf dem Drucker und hat mich sofort empfangen. Die Körnchen, die ich ihr auf den Schreibtisch gelegt habe, hat sie beschnuppert und versuchsweise ins Mäulchen genommen, aber wieder fallenlassen. Nur ein bisschen Joghurt hat sie geschlabbert. Die Knoten sind größer als gestern, die Krankheit bricht voll durch. Vvermutlich wird mein geliebter Liebling unser gemeinsames Leben nur noch wenige Tage mit Freude füllen … wobei die Freude sich nun in tiefe Traurigkeit wandelt. Ich weiß nicht, ob Lili spürt, dass der Abschied naht, aber sie spürt, dass alles anders ist als vorher. Es zerreißt mir fast das Herz …

herz

Keine guten Nachrichten am Ammersee

Seit 21. Mai befinde ich mich in einem emotionalen Auf und Ab und momentan ist nicht nur das Wetter trübe und grau. Lilis Lymphknoten wachsen und sind mittlerweile groß wie dicke Mandeln. Das ist kein gutes Zeichen.

Sie futter zwar immer noch mit Appetit, auch auf dem Katzenklo ist alles so, wie es sein soll, aber ich merke, dass die Knoten Lili nun Probleme machen. Sie fährt dauernd mit der Zunge ums Mäulchen, starrt oft vor sich hin, als höre sie in sich hinein, um herauszufinden, was da nicht stimmt. Sie zieht sich auch immer mehr zurück. In meinem Bett war sie schon seit Wochen nicht. Auf wenn ich auf dem Sofa sitze, kommt sie zwar und legt sich auf meinen Schoß, aber sie bleibt nicht lange.

Heute Mittag habe ich mit dem Tierarzt telefoniert und der sprach von Cortison. Ich denke, aber dass ich ihr das nicht geben werde. Ich weiß erstens nicht, wie ich es ihr verabreichen soll (Lili Tabletten zu verabreichen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, auch zerbröselt und irgendwo untergerührt) und zweitens weiß ich nicht, ob es ihre Lebensqualität erhöht.

Hier wird es vermutlich in der nächsten Zeit wenige Artikel geben. Ich bin nicht in der Stimmung. Nach einigen Wochen Pause laufen mir nun wieder die Tränen über die Wangen. Bisher habe ich irgendwie erfolgreich verdrängt, dass Lili schwer krank ist, vor allem, wenn sie fröhlich im Garten rum rannte und auf Bäume kletterte. Aber jetzt kann ich es nicht mehr verdrängen. Momentan liegt sie an ihrem neuen Lieblingsplatz: im Regal meines Fotoarbeitsplatzes. Dort liegt mein geliebter Liebling auf Luftpolsterfolie und ich kann sie bis hierher schnurren hören.

lili

Traurige Grüße vom Ammersee – Renate

Nachsatz drei Stunden später: Cortison verabreiche ich keines. Habe mit Ingrid Steinel, der wunderbaren Tierheilpraktikerin gesprochen. Die überließ es zwar mir, was ich mache, hat mir aber erklärt, dass Cortison die entzündeten Lymphknoten vorrübergehend beeinflussen könnte, dass es aber auf die Krankheit als solche wenig bis gar keinen Einfluss hat.
Lili hat vorhin ein neues Globuli bekommen, und nun warte ich. Die Befürchtung, dass ich ihre Gegenwart nicht mehr lange genießen darf, ist nicht neu. Trotzdem freue ich mich, wenn mein geliebter Liebling schnurrt, futtert, im Garten rumrennt, auf Bäume klettert und sich von mir bürschteln lässt. Selbst die Hinterlassenschaften im großen weißen Katzenklo machen mich froh. Schon erstaunlich, worüber man sich freuen kann …